15.08.2025

Fluorose – nicht mit Kreidezähnen verwechseln

Weisse Streifen auf gerade eben durchgebrochenen Zähnen? Viele Eltern fragen uns in der Praxis, was diese zu bedeuten habe. In der Regel lautet die Diagnose: Eine milde Form von Fluorose, die unbedenklich ist und kaum stört – Sie müssen nichts dagegen unternehmen. 

Wichtig ist jedoch, Fluorose von sogenannten Kreidezähnen zu unterscheiden – die Sie oder Ihr Kind durchaus behandeln lassen sollten. 

Wie erkennen Sie Fluorose, inklusive den Unterschied zu Kreidezähnen? Und warum kommt es zu den weissen Streifen, die doch ziemlich häufig auftreten?

Was ist Zahnfluorose

Fluorose ist eine Veränderung des Zahnschmelzes, die durch eine übermässige Aufnahme von Fluorid während der Zahnentwicklung entsteht – also typischerweise in der frühen Kindheit bis zum 8. Lebensjahr. Das Fluorid stört dabei bestimmte Zellen (Ameloblasten), die den Zahnschmelz bilden. Dadurch härtet der Zahnschmelz nicht richtig aus und es entstehen kleine Poren.

Später sind diese als kreidig-weisse Streifen oder Flecken auf den bleibenden Zähnen sichtbar. In ausgeprägterer Form zeigen sich bräunlich-gelbe Verfärbungen, raue oder fleckige Oberfläche. 

Müssen Sie Fluorose behandeln?

Fluorose ist in leicht ausgeprägten Fällen unbedenklich und eher ein ästhetisches Problem (jedoch meist nicht einmal dies). 

Bei einer stark ausgeprägten Form kann es zu brüchigem Zahnschmelz und zu einem erhöhten Kariesrisiko an den betreffenden Zähnen kommen.

In der Schweiz sind je nach Studie bis zu 27 Prozent der Bevölkerung von Fluorose betroffen – allerdings fast ausschliesslich in milder Form: ein Resultat guter Aufklärung und abgestimmter Fluoridstrategien. Das Vorkommen ist nicht deutlich untersucht, Zahlen deuten darauf hin, dass es von Kanton zu Kanton variiert. 

In Regionen mit natürlich hohem Fluoridgehalt im Trinkwasser – darunter Teile von Indien, China, Afrika, Südamerika – kann Fluorose ein ernsthaftes Problem sein, auch im Sinne von Zahnschädigung und Knochenfluorose. Fluorose tritt in diesen Regionen häufig auf, teils in schwerer Ausprägung.

Ursachen von Fluorose

Folgende Faktoren können Fluorose verursachen:

  • Fluoridiertes Trinkwasser

  • Fluoridreiche Ernährung

  • Fluoridtabletten

  • Verschlucken grösserer Mengen fluoridierter Zahnpasta

Sollten Sie auf Fluorid in Zahnpasten verzichten?

Bedeutet dies, dass Ihr Kind keine fluoridhaltige Zahnpasta verwenden sollte? Nein – im Gegenteil. Das Fluorid in Zahnpasten ist stets wohldosiert. Kinder-Zahnpasten haben einen noch geringeren Gehalt, da Kinder diese gerne verschlucken. Fluorid in Zahnpasten stärkt den Zahnschmelz und reduziert das Risiko von Karies erwiesenermassen deutlich. Entsprechend ist sie ein wichtiger Bestandteil in der Kariesprophylaxe. 

Hier erfahren Sie, weshalb Fluorid erst ab sehr grossen Mengen giftig ist und Sie es nicht mit Fluor dem hochgiftigen Gas verwechseln sollten. 

So unterscheidet sich Zahnfluorose von Kreidezähnen

Fluorose und Kreidezähne – wie die Hypomineralisation des Zahnschmelzes (MIH) umgangssprachlich genannt wird – haben ähnliche Erscheinungsbilder: Oft zeigen sich auf den Schneidezähnen weisse Flecken. Die Unterscheidung der MIH und Fluorose ist wichtig für die Wahl der Therapie und die Prognose der Zähne. 

Im Gegensatz zur Fluorose, wo in der Regel – falls überhaupt nötig – kosmetische Massnahmen ausreichen, müssen Kreidezähne oft behandelt werden: Durch den geschwächten Zahnschmelz können die Zähne empfindlicher auf Kälte und Süsses reagieren, und sie werden anfälliger für Karies. Entsprechend müssen Kreidezähne oft mit Versiegelungen oder Füllungen behandelt und im schlimmsten Fall sogar gezogen werden.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Unterschiede von Fluorose und Kreidezähnen:

Merkmal

Fluorose 

MIH (“Kreidezähne”)

Ursache

Übermässige Fluoridaufnahme während Schmelzentwicklung

Gestörte Schmelzmineralisation durch Umweltfaktoren, Krankheiten oder Medikamente

Aussehen

Weisslich bis bräunliche Flecken, meist symmetrisch

Weisslich, gelblich, bräunliche Flecken, oft asymmetrisch bzw. unregelmässig

Betroffene Zähne

Vor allem bleibende Schneide- und Backenzähne

Oft die ersten bleibenden Molaren und die mittleren Schneidezähne betroffen, teilweise bereits Milchzähne

Schmelzqualität

Übermineralisierter, aber poröser Schmelz

Untermineralisierter, weicher und empfindlicher Schmelz

Schmerzempfindlichkeit

Meist keine erhöhten Empfindlichkeiten

Häufig empfindlich, vor allem auf Kälte und Süsses

Ursprungszeitpunkt

Während der Zahnschmelzbildung durch Fluoridüberdosierung

Während der Schmelzbildung durch externe Störungen

Prävalenz weltweit

Ca. 16-32%

Ca. 13-14%

Empfohlene Fluorid-Dosis für Erwachsene und Kinder

Zur Vorbeugung von Fluorose ist es wichtig, dass die empfohlenen Mengen in Zahnpasta, Fluoridgelée, Mundspülungen oder auch in fluoridiertem Speisesalz nicht überschritten werden. Bei Kindern sollte die Zahnpasta nur einen erbsengrossen Klecks enthalten und unter Aufsicht verwendet werden:

Quelle: Schulzahnpflege.ch

Fazit 

Fluorose tritt in der Schweiz und auch in unserer Praxis relativ häufig auf, meistens ist sie jedoch mild ausgeprägt und erfordert keine Behandlung. Fluorose entsteht durch eine übermässige Aufnahme von Fluorid während der Zahnentwicklung. Gleichzeitig ist Fluorid ein sehr wichtiger Bestandteil der Kariesprophylaxe. Die in den Zahnpasten enthaltenen Mengen sind unbedenklich, wenn Sie die entsprechenden Empfehlungen für Erwachsene und Kinder einhalten. 

Bei Unsicherheit raten wir, immer den Zahnarzt oder die Dentalhygienikerin zu fragen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in einer unserer Praxen in Ihrer Nähe! Buchen Sie Ihren Termin gerne online oder telefonisch.