05.04.2025

Zahnpasta ohne Fluorid – was sollten Sie wissen?

Fluorid ist seit Jahrzehnten ein bewährter Wirkstoff in der Kariesprophylaxe: Es stärkt den Zahnschmelz, macht ihn widerstandsfähiger gegen Säureangriffe und hilft sogar dabei, eine beginnende Karies zu reparieren. 

In der Zahnarztpraxis werden wir immer öfter damit konfrontiert, dass sich Patienten bewusst gegen Fluorid in der Zahnpasta entscheiden und auch keine Fluoridierung nach der Behandlung möchten. 

Was liegt hinter diesem Entscheid - und was meinen wir als Zahnärzte dazu? Sumaja El Saeidi, Zentrumsleiterin beim zahnarztzentrum.ch Basel Aeschenplatz, gibt Ihnen in diesem Beitrag einen Einblick in ihren Praxisalltag und erzählt, wie sie zu fluoridfreien Zahnpasten steht.

Gründe, weshalb sich manche gegen Fluorid entscheiden

Manche Personen wollen kein Fluorid verwenden, weil sie sich von allen unnötigen künstlichen Zusatzstoffen befreien wollen: sei es nun bei Nahrungsmitteln, in Kosmetika oder Medizinprodukten. 

Andere befürchten, das in der Zahnpasta enthaltene Fluorid sei giftig. Insbesondere Eltern fragen mich oft nach Alternativen für Kinder. Sie sind häufig durch Geschichten über Fluoridvergiftungen verunsichert, die im Internet kursieren. 

Was hinter der Angst vor Fluorid steckt, ist in der Regel eine Verwechslung mit Fluor, einem giftigen Gas. Die beiden gleichzusetzen macht allerdings so wenig Sinn wie die Gleichsetzung von Kochsalz mit Chlorgas:

Kochsalz (Natriumchlorid) entsteht aus zwei ursprünglich giftigen Elementen und wird dadurch zu einem lebenswichtigen Mineral. Ähnlich ist es bei Fluoriden: Sie sind ein essenzielles Spurenelement für den Körper und kommen natürlicherweise in den Zähnen und Knochen vor.

Ab wann wird Fluorid giftig?

Fluorid nehmen wir in kleinsten Mengen mit der Nahrung oder beim Zähneputzen auf - und ist so für die Gesundheit völlig unschädlich. Wie bei allem kommt es auf die Menge an - wobei das Risiko einer Überdosierung sehr selten ist. Um die ersten Vergiftungserscheinung zu spüren, müsste

  • ein Erwachsener mit 80 Kilogramm Gewicht 4 Tuben Zahnpasta schlucken.

  • ein Kind (von etwa 5 Jahren) mit 18 Kilogramm 2 Tuben

Auch Wasser kann tödlich sein, wenn Sie zu viel davon trinken. Niemand bezeichnet Wasser deshalb als giftig. 

Wie funktionieren Fluoride?

Fluoride schützen die Zähne vor Karies, indem sie sich mit Kalzium aus dem Speichel verbinden und eine feste Schutzschicht auf der Zahnoberfläche bilden. Zudem lagern sie sich in den Zahnschmelz ein und machen ihn widerstandsfähiger gegen Säuren, die Kariesbakterien freisetzen. 

So verhindern Fluoride, dass Mineralien aus dem Zahn gelöst werden. Sind Fluoride regelmässig in kleinen Mengen im Speichel oder im Biofilm vorhanden, unterstützen sie ausserdem die natürliche Reparatur des Zahnschmelzes.

Wie wir als Zahnärzte zu fluoridfreier Zahnpasta stehen

Fluoridfreie Zahnpasta können wir aus zahnärztlicher Sicht nur in Ausnahmefällen gutheissen:

  • Menschen, die gar kein Kariesrisiko haben (zum Beispiel bei extrem gesunder Ernährung, optimaler Zahnpflege und regelmässigen Kontrollen) können gemäss unserer Einschätzung fluoridfreie Zahnpasta in Betracht ziehen.

  • Bei bestimmten Unverträglichkeiten oder Allergien können fluoridfreie Alternativen Sinn machen.

Welche Alternativen zu fluoridfreier Zahnpasta gibt es?

Falls Sie auf Fluorid verzichten möchten, können Zahnpasten mit Xylitol interessant sein. Xylitol hat antibakterielle Eigenschaften, die das Wachstum kariesverursachender Bakterien hemmen können. Allerdings bietet Xylitol nicht den gleichen remineralisierenden Effekt wie Fluorid.

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie sich dennoch für fluoridfreie Zahnpasta entscheiden

Sollten Sie sich bewusst gegen Fluorid in der Zahnpasta entscheiden, ist die optimale mechanische Reinigung der Zähne und ein sehr gesunder Ernährungsstil ein absolutes Muss. Gerne helfen wir Ihnen dabei mit bewährten Tipps und Anwendungshilfen.

Ich empfehle beispielsweise die Bass-Putztechnik sowie das tägliche korrekte Benutzen von Zahnseide, und zeige meinen Patienten bei den Kontroll-Terminen gerne, wie sie am besten putzen. Auch unsere Dentalhygienikerinnen klären Sie über die optimale individuelle Putztechnik auf - mit Färbetabletten können sie Ihnen auch Schwachstellen beim Putzen aufzeigen.

Bei Kindern ist die Umsetzung schwierig

Gerade bei Kindern ist die Umsetzung oft schwierig und eine gesicherte Reinigung nicht immer möglich. Sollten Sie auf Fluorid in der Zahnpasta Ihres Kindes - trotz wohldosierter Kinder-Zahnpasten verzichten wollen - empfehle ich regelmässige Kontrollen und Zahnreinigungen in unseren Zentren. Dies, um Karies früh zu erkennen und gegebenenfalls zu vermeiden - zum Beispiel mit Alternativen wie Curodont Repair gegen Initialkaries oder fluoridfreie Bio Repair Zahnpasta.

Fazit

Zahnpasta ohne Fluorid kann eine Option für Menschen sein, die bewusst auf Fluorid verzichten möchten. Dennoch sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie damit auf einen bewährten Schutz gegen Karies und die Möglichkeit zur Remineralisierung bei Initialkaries verzichten. Gerade Milchzähne sind anfälliger für Karies - sie brauchen besonderen Schutz.

Wir empfehlen Ihnen, Ihre Zahnpflege immer mit Ihrem Zahnarzt abzustimmen, um die beste Wahl für Ihre Mundgesundheit zu treffen. Gerne beraten wir Sie bei Ihrem nächsten Zahnarzt- oder Dentalhygiene-Besuch persönlich in einer unserer schweizweit 42 Praxen.