Röntgen und Behandlungen während der Schwangerschaft vermeiden?
Jede invasive Therapie bringt Risiken für das ungeborene Kind mit sich. Gleichzeitig können Krankheiten, die nicht frühzeitig behandelt werden, einen negativen Einfluss auf Mutter und Ungeborenes haben. Beispielsweise zeigen Studien, dass es einen Zusammenhang zwischen einer mütterlichen Parodontitis und einem geringeren Geburtsgewicht, Frühgeburten und Präeklampsie gibt.
Zur Verantwortung eines Zahnarzts gehört nicht nur eine Behandlung korrekt durchzuführen - sondern auch die jeweiligen Risiken und Nutzen einer (Nicht-)Behandlung abzuwägen. Wohl kein Teilgebiet der zahnärztlichen Tätigkeit erfordert so häufig eine solche Abwägung, wie jenes der Röntgendiagnostik. Insbesondere bei Schwangeren kommt dieser eine hohe Bedeutung zu.
Unser Zentrumsleiter in Emmenbrücke, Dr. med. dent. Felix Dan erklärt, wann Karies-, Parodontitis- oder Wurzelbehandlungen dringlich sind, wann sie verschoben werden können - und ob beziehungsweise welche Alternativen zur Röntgendiagnostik existieren.
Zahnröntgen während der Schwangerschaft
Röntgenaufnahmen sind ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel, um Erkrankungen der Zähne und des Kiefers zu erkennen. Während der Schwangerschaft sollten Röntgenstrahlen jedoch mit Vorsicht eingesetzt werden; die ionisierende Strahlung birgt potenzielle Risiken für die Entwicklung des ungeborenen Kindes.
Bei zahnarztzentrum.ch verwenden wir modernste Röntgengeräte mit sehr geringer Strahlenbelastung und treffen Schutzmassnahmen, etwa durch die Verwendung von Bleischürzen. Dennoch ist in der frühen Phase der Schwangerschaft das Risiko erhöht, dass Strahlung Zellteilungen stört oder zu Fehlbildungen führt.
Die Vermeidung von Röntgenstrahlung während der Schwangerschaft basiert auf dem Prinzip der Strahlenhygiene („ALARA“: As Low As Reasonably Achievable). Insbesondere in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft, in denen die Organentwicklung des Fötus stattfindet, sollte eine unnötige Exposition vermieden werden.
Kariesbehandlung
…ja oder nein?
Eine Kariestherapie im Rahmen von „Füllungen“ stellt für schwangere Patientinnen einen verhältnismässig risikoarmen Ansatz dar. Oft ist sie als präventive Maßnahme - beispielsweise um eine Wurzelkanalbehandlung zu vermeiden - relativ dringlich.
Oberflächliche kariöse Läsionen, die weder Schmerzen verursachen noch das Risiko einer Wurzelkanalbehandlung bergen, müssen Sie nicht umgehend mit einer Füllungstherapie behandeln lassen. Besondere Bedeutung kommt jedoch hier der Kariesvorbeugung zu, sodass solche Läsionen gar nicht erst entstehen. Hierbei spielen sowohl Prophylaxe - im Sinne regelmässiger professioneller Zahnreinigungen - als auch die häusliche Mundhygiene und Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Rolle.
…mit oder ohne Röntgen?
Die Therapie kariöser Läsionen, beziehungsweise von Defekten der Zahnhartsubstanz im Allgemeinen, erfordert nicht zwingend eine röntgenologische Abklärung. Neben einer möglichen Blickdiagnose ermöglichen die neuesten Intraoralscanner eine strahlungsfreie Kariesdiagnostik. Strahlungsfrei sind auch Transilluminations-, Fluoreszenz- und Laserfluoreszenz-gestützte Verfahren sowie die elektrische Widerstandsmessung.
Der Zahnarzt muss jedoch auch die restlichen Behandlungsschritte einer Risikoabwägung unterziehen. Hierbei steht insbesondere die richtige Wahl des Lokalanästhetikums (Betäubungsmittel), sowie dessen verantwortungsvolle Dosierung im Vordergrund.
Wurzelbehandlung
…ja oder nein?
Die Risiken einer invasiven zahnärztlichen Therapie lassen sich durch verschiedene Faktoren minimieren: etwa durch alternative Technologien zum Röntgenbild, die situativ richtige Wahl und Dosierung des Betäubungsmittels, sowie die Wahl des Behandlungszeitpunkts; Die Behandlung im 2. und 3. Trimenon ist wesentlich risikoärmer als im 1. Trimenon.
Eine Wurzelkanalbehandlung sollte wenn möglich auf einen späteren Zeitpunkt, idealerweise auf nach der Schwangerschaft verschoben werden. Je nach Schmerzsymptomatik ist dies jedoch nicht immer möglich; auch anhaltende Schmerzzustände können den Ablauf Ihrer Schwangerschaft gefährden.
…mit oder ohne Röntgen?
Auch für die Wurzelkanalbehandlung - beziehungsweise das Messen der Wurzelkanal-Länge, was für die Behandlung unerlässlich ist - gibt es heutzutage Alternativen zum Röntgen: vor allem Technologien, die die Länge durch elektrische Widerstandsmessung ermitteln, kommen infrage (Endometrie).
Wie bei der Kariesbehandlung gilt es jedoch auch hier, das Risiko bei allen Behandlungsschritten abzuwägen - insbesondere die Frage des Anästhetikums.
Parodontitis-Behandlung
…ja oder nein?
Die Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates. Breitet sich eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) in tiefere Bereiche aus, und kommt es zu einem Abbau ebendieses Zahnhalteapparates, spricht man von einer Parodontitis.
In der Schwangerschaft kann es vermehrt zu Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischveränderungen kommen. Grund ist der stark veränderte Hormonhaushalt. Lesen Sie dazu unseren Artikel zum Thema: Wie beeinflusst eine Parodontitis die Schwangerschaft?
Die freigesetzten Entzündungsmediatoren bei einer Gingivitis beziehungsweise Parodontitis können sich negativ auf den Verlauf Ihrer Schwangerschaft auswirken. So bringen Studien - wie eingangs erwähnt - die mütterliche Parodontitis mit einem geringen Geburtsgewicht, Frühgeburten und Präeklampsie in Zusammenhang.
Um diese Auswirkungen zu verhindern, sollten Sie einer bestehenden Parodontitis während der Schwangerschaft deshalb stets im Rahmen einer systematischen Parodontitistherapie entgegenwirken.
Fazit
Der Risiko- und Nutzen-Abwägung einer Behandlung kommt in der Schwangerschaft besonders hohe Bedeutung zu. Für einen möglichst unproblematischen Schwangerschaftsablauf ist deshalb auch ein umfassendes und aktuelles medizinisches Verständnis für Ihre Mundgesundheit wichtig.
Gerne stehen wir Ihnen in einem persönlichen Gespräch in einer unserer schweizweit 42 Standorten zur Seite, um den für Sie und Ihr Kind schonendsten therapeutischen Weg zu planen. Buchen Sie Ihren Termin online oder per Telefon.