10.09.2026

Dentalhygiene in der Schwangerschaft – warum die professionelle Reinigung jetzt besonders zählt

In der Schwangerschaft reagiert das Zahnfleisch empfindlicher auf Plaque – auch dort, wo Sie mit Zahnbürste und Zahnseide nicht hinkommen. Die hormonellen Veränderungen lockern das Zahnfleisch auf, steigern die Durchblutung und lassen es leichter anschwellen.

So entstehen schneller Nischen und Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien sammeln – und schon geringe Beläge lösen eine stärkere Entzündungsreaktion aus als sonst. Die professionelle Dentalhygiene ist während der Schwangerschaft deshalb keine Ergänzung, sondern eine Massnahme, die Ihre häusliche Pflege nicht leisten kann.

Erfahren Sie hier, worauf Sie in welcher Phase achten sollten und weshalb die professionelle Reinigung jetzt besonders zählt. 

Das Wichtigste in Kürze 

  • Eine professionelle Dentalhygiene ist während der Schwangerschaft nicht gefährlich – im Gegenteil. 

  • Hormonelle Veränderungen lassen das Zahnfleisch anschwellen und verstärken seine Reaktion auf Plaque.  

  • Schon geringe Beläge begünstigen Zahnfleischentzündungen und Zahnschmerzen – gerade in Zahnfleischtaschen und unter dem Zahnfleischrand, wo Zahnbürste und Zahnseide nicht hinkommen. 

  • Die Dentalhygienikerin entfernt Beläge dort, wo Sie selbst nicht hinkommen, und senkt so das Risiko für Zahnfleischentzündungen in der Schwangerschaft. 

  • Eine unbehandelte Schwangerschaftsgingivitis kann sich zu einer Parodontitis entwickeln – und diese wiederum zu Schwangerschaftskomplikationen. 

  • Die professionelle Dentalhygiene gilt während der gesamten Schwangerschaft als sicher – besonders geeignet ist das zweite Trimester. 

  • Auch nach der Geburt lohnt sich die professionelle Reinigung – nicht zuletzt zum Schutz Ihres Kindes. 

Zahnfleischentzündung während der Schwangerschaft mit professioneller Zahnreinigung vorbeugen   

Während der Schwangerschaft fliesst mehr Blut ins Zahnfleisch, und dieses reagiert empfindlicher auf Bakterien. Dadurch entstehen leichter Schwellungen, Zahnfleischbluten und Entzündungen – viele Schwangere entwickeln eine sogenannte Schwangerschaftsgingivitis.  

Gleichzeitig lockert sich das Zahnfleisch, und es bilden sich kleine Taschen, in denen sich Beläge festsetzen. Übelkeit, häufiges Erbrechen und veränderte Essgewohnheiten erschweren die tägliche Pflege zusätzlich: Säuren greifen den Zahnschmelz an und häufige Zwischenmahlzeiten fördern Karies. 

Die professionelle Dentalhygiene nun entfernt hartnäckige Beläge und Bakterien dort, wo Sie zu Hause nicht hinkommen. Damit verhindern Sie, dass aus einer harmlosen Zahnfleischentzündung etwas Grösseres wird.  

Zu den wichtigsten Vorteilen gehören: 

  • Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis 

  • Weniger Zahnfleischbluten 

  • Geringeres Kariesrisiko 

  • Frischer Atem und ein angenehmes Mundgefühl 

  • Individuelle Beratung zur optimalen Mundpflege während der Schwangerschaft 

  • Früherkennung möglicher Probleme 

Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass eine gute Mundgesundheit das Risiko für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen senken kann. Wie eng Zahnfleischentzündungen und Parodontitis mit dem Schwangerschaftsverlauf zusammenhängen, lesen Sie ausführlich im Beitrag «So schützen Sie sich in der Schwangerschaft vor Parodontitis».

Wie oft ist eine Dentalhygiene in der Schwangerschaft sinnvoll? 

Grundsätzlich gilt ein Besuch bei der Dentalhygienikerin während der gesamten Schwangerschaft als sicher. Ausser, es sprechen besondere medizinische Gründe dagegen.  

Anders als sonst reicht der gewohnte Rhythmus jedoch oft nicht aus.  

Als guter Fahrplan hat sich bewährt: 

  • Im ersten Trimester stehen meist nur notwendige Behandlungen und Kontrolluntersuchungen im Vordergrund. Eine Dentalhygiene ist zwar möglich, doch – sofern medizinisch vertretbar – verschieben wir sie häufig ins zweite Trimester. 

  • Das zweite Trimester gilt als besonders geeignet (13. bis 27. Schwangerschaftswoche): Die Übelkeit ist meist abgeklungen, das Risiko für Beschwerden geringer. 

  • Im dritten Trimester lässt sich die Behandlung ebenfalls durchführen; vielen Schwangeren fällt jedoch das längere Liegen zunehmend schwer, weshalb wir die Termine dann möglichst kurz und komfortabel gestalten. 

  • Einige Monate nach der Geburt empfehlen wir eine abschliessende Kontrolle und Reinigung (warum dies wichtig ist, siehe Abschnitt weiter unten «Dentalhygiene nach der Geburt»).  

Am Wichtigsten bleibt: Informieren Sie Ihre Zahnärztin oder Dentalhygienikerin frühzeitig über Ihre Schwangerschaft. So stimmen wir die Behandlung individuell auf Sie und Ihr Baby ab. Notwendige grössere Eingriffe verschieben wir nach Möglichkeit auf die Zeit nach der Geburt – mehr dazu in unserem Beitrag «Röntgen und Behandlungen während der Schwangerschaft».

Bei erhöhtem Risiko empfehlen wir engmaschigere Termine – etwa bei bereits empfindlichem Zahnfleisch, starkem Zahnfleischbluten oder einer bestehenden Parodontitis. Wir legen den passenden Abstand individuell mit Ihnen fest. 

Gibt es Begleiterscheinungen? 

Wie erwähnt gilt die Behandlung während der ganzen Schwangerschaft als sicher. Wichtig ist, dass Sie uns informieren. Zu erwarten sind höchstens kleine Begleiterscheinungen: 

  • Das empfindliche Zahnfleisch kann während der Behandlung leicht bluten. 

  • Bei starker Übelkeit kann ein Termin unangenehm sein – hier lohnt sich eine individuelle Terminplanung. 

  • In seltenen Fällen reagieren empfindliche Zähne nach der Reinigung kurzzeitig auf Kälte. 

Diese Beschwerden sind meist harmlos und klingen rasch wieder ab.

Ist eine Mundspülung mit Chlorhexidin während der Schwangerschaft erlaubt? 

Bei einer ausgeprägten Zahnfleischentzündung empfiehlt die Zahnärztin manchmal vorübergehend eine Mundspülung mit 0,2 % Chlorhexidin (CHX). Diese wirkt antibakteriell, reduziert die Keimzahl im Mund und hilft, Entzündungen zu lindern. 

Wichtig dabei: Chlorhexidin eignet sich nur zur kurzfristigen Anwendung nach zahnärztlicher Anweisung, nicht zum Dauergebrauch. Eine übliche Anwendungsdauer beträgt etwa 7 bis 14 Tage, sofern der Zahnarzt sie verordnet. Eine längere Anwendung kann unter anderem Zahnverfärbungen, Geschmacksveränderungen und eine Veränderung der natürlichen Mundflora auslösen. 

CHX ersetzt niemals die mechanische Plaqueentfernung – bei einer Gingivitis oder nach parodontalen Eingriffen dient es als unterstützende Kurzzeitmassnahme. Die Grundlage bleibt auch hier die gründliche tägliche Mundhygiene in Kombination mit der professionellen Reinigung.

Dentalhygiene nach der Geburt 

Auch nach der Entbindung verdient Ihre Mundgesundheit Aufmerksamkeit. Die hormonellen Veränderungen halten noch einige Zeit an. Schlafmangel, Stress und der neue Alltag mit dem Baby führen oft dazu, dass die eigene Zahnpflege in den Hintergrund rückt. Eine professionelle Dentalhygiene nach der Geburt hilft Ihnen dabei: 

  • Zahnfleischentzündungen vollständig ausheilen zu lassen 

  • Hartnäckige Beläge und Verfärbungen zu entfernen 

  • Die Mundgesundheit langfristig zu erhalten 

  • Das Risiko für Karies und Parodontitis zu senken 

Bakterien – darunter auch kariogene (kariesfördernde) – gelangen durch engen Kontakt leicht auf das Kind. Ihre eigene Mundgesundheit ist damit auch ein wichtiger Beitrag zur Zahngesundheit Ihres Kindes.  

So unterstützen Sie die Dentalhygiene zwischen den Terminen 

Die professionelle Reinigung wirkt am besten, wenn Sie zu Hause dranbleiben. Die wichtigsten Punkte in Kürze: 

  • Putzen Sie zweimal täglich gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta

  • Reinigen Sie die Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten. 

  • Spülen Sie den Mund nach dem Erbrechen zunächst mit Wasser aus und warten Sie etwa 30 Minuten, bevor Sie die Zähne putzen. 

  • Reduzieren Sie zuckerhaltige Snacks so weit wie möglich. 

  • Nehmen Sie regelmässige Kontrolltermine wahr. 

Ausführliche Tipps zur richtigen Pflege zu Hause finden Sie in unserem Beitrag «Zähneputzen in der Schwangerschaft».

Fazit 

Eine gute Mundgesundheit ist während und nach der Schwangerschaft weit mehr als eine Frage schöner Zähne. Was die tägliche Pflege zu Hause nicht leisten kann – die Reinigung unter dem Zahnfleischrand und in den Zahnfleischtaschen –, übernimmt die Dentalhygienikerin.  

Mit einem passenden Reinigungsrhythmus, sorgfältiger häuslicher Pflege und zahnärztlichen Kontrollen schaffen Sie die besten Voraussetzungen für ein gesundes Lächeln – für sich und Ihr Kind.

Wir freuen uns, Sie als werdende Mutter in unserer Praxis willkommen zu heissen. Buchen Sie Ihren nächsten Dentalhygiene-Termin gerne online oder telefonisch – in einem zahnarztzentrum.ch in Ihrer Nähe.