10.06.2026

Wurzelspitzenresektion – wenn die Wurzelbehandlung nicht ausreicht

Haben Sie Schmerzen trotz Wurzelbehandlung – oder hat Ihr Zahnarzt Ihnen von Anfang an gesagt, dass eine solche Ihr Problem an der Zahnwurzel nicht beheben kann? Als letzte Massnahme, um den Zahn zu erhalten, kann eine Wurzelspitzenresektion notwendig sein. Eine Wurzelspitzenresektion ist ein kleiner chirurgischer Eingriff, bei dem wir die entzündete Spitze einer Zahnwurzel entfernen.  

Wann ist eine Wurzelspitzenresektion nötig und wann ist es sinnvoller, den Zahn zu ziehen? Was sind die Voraussetzungen, Risiken und Kosten der Behandlung – und wie läuft diese ab? Erfahren Sie hier mehr. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Eine Wurzelspitzenresektion ist ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung einer entzündeten Wurzelspitze. Diese ist häufig die Ursache einer anhaltenden apikalen Parodontitis oder einer radikulären Zyste, wenn eine normale Wurzelbehandlung nicht erfolgreich genug war. 

  • Sie kommt in der Regel erst infrage, wenn eine erneute Wurzelbehandlung (Revision) keine Verbesserung und keinen Erfolg verspricht oder bereits erfolglos war und der Zahn noch erhaltungswürdig ist. 

  • Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung und dauert meist 1–1,5 Stunden

  • Die Erfolgsaussichten liegen bei moderner Technik bei etwa 85–95%

  • Ziel ist es, den natürlichen Zahn langfristig zu erhalten und eine Extraktion zu vermeiden

Wann braucht es eine Wurzelspitzenresektion? 

Eine Wurzelspitzenresektion ist in der Regel die letzte Massnahme im Versuch, Ihren Zahn zu retten. Grundsätzlich ist bei andauernden Entzündungen trotz Wurzelbehandlung eine erneute Wurzelbehandlung (= Revision) die erste Therapie der Wahl – diese ist weniger invasiv.  

Es kann jedoch sein, dass auch nach einer solchen eine Entzündung an der Wurzelspitze bestehen bleibt – oder aber eine Revision keinen Erfolg verspricht (zum Beispiel bei einer Zyste). 

Typische Gründe für eine Wurzelspitzenresektion sind:  

  • Anhaltende Entzündung trotz Wurzelbehandlung aufgrund einer persistierenden (anhaltenden) apikalen Parodontitis (siehe auch diesen Beitrag für mögliche Gründe einer nicht-erfolgreichen Wurzelbehandlung) 

  • Zysten oder Abszesse bei der Zahnwurzel, die eine Wurzelbehandlung nicht aufheben kann. 

  • Schwer zugängliche Wurzelkanäle (zum Beispiel stark gekrümmte oder sich zur Wurzelspitze hin stark verengende Wurzelkanäle) 

  • Fremdkörperreaktion (etwa durch überpresstes Wurzelfüllmaterial oder ein abgebrochenes Wurzelkanalinstrument) 

  • Abnormale Bildung von Zahnhartsubstanz in der Pulpa, die eine normale Wurzelbehandlung erheblich erschwert oder verhindert. 

Ob eine Revision, eine Wurzelspitzenresektion oder Zahnextraktion (allenfalls mit Implantversorgung) für Sie die beste Lösung ist, beurteilen wir stets interdisziplinär. Das heisst durch Fachzahnärzte und Spezialisten: Chirurg, Endodontologe und Allgemeinzahnarzt – die bei zahnarztzentrum.ch unter einem Dach arbeiten. Wir beraten Sie individuell und transparent, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können. 

Wie läuft die Behandlung ab? 

Der Eingriff dauert in der Regel eine bis eineinhalb Stunden – je nach Schwierigkeitsgrad und Zahn: Einwurzelige Zähne erfordern deutlich weniger Zeit als mehrwurzelige Zähne. Aufschluss gibt stets ein 3D-Röntgenbild (erstellt mittels digitaler Volumentomographie DVT). 

So gehen wir Schritt für Schritt vor: 

  1. Lokale Betäubung für eine schmerzfreie Behandlung. Bei besonders empfindlichen Entzündungen können wir nachbetäuben. 

  1. Zugriff zur Wurzelspitze seitlich über das Zahnfleisch. Im Gegensatz zur Wurzelbehandlung erfolgt der Zugang nicht orthograd, über die Zahnkrone. Bestehende Kronen bleiben deshalb meist erhalten.  

  1. Minimalinvasives Trennen der Wurzelspitze (Resektion, resectio = "das Abschneiden" bzw. resecare = "wegschneiden, zurückschneiden" auf Lateinisch) 

  1. Säuberung der Wurzelspitze (retrograde Präparation) 

  1. Wurzelfüllung von unten (retrograde Füllung) mit biokompatiblem Material. Bei zahnarztzentrum.ch benutzen wir MTA (Mineral Trioxide Aggregate) und andere biologisch gut verträgliche Materialien, die die Knochenheilung fördern.  

  1. Vernähen der Wunde 

Was passiert nach dem Eingriff? 

Nach der Behandlung kann es zu leichten bis mässigen Beschwerden kommen.  Schwellung, Druckempfindlichkeit oder eingeschränkte Belastbarkeit im behandelten Bereich sind normal. Sie können die Heilung durch Kühlen und eine schonende Mundhygiene unterstützen. Wir empfehlen, körperliche Anstrengung in den ersten Tagen zu vermeiden. 

Wenige Tage nach dem Eingriff entfernen wir die Fäden. Frühestens nach 3 bis 6 Monaten schauen wir anhand eines frischen Röntgenbilds, ob der Knochen abgeheilt ist. 

Welche Risiken bestehen? 

Die Wurzelspitzenresektion ist ein bewährter Eingriff. Leichte Komplikationen können wir wie bei jeder Operation nicht komplett ausschliessen. Darunter etwa Schwellung, Schmerzen, Infektionen, Sensibilitätsstörungen oder Sinusitis. Schwere Komplikationen sind selten.  

So oder so: Eine Risikoabwägung für Ihren persönlichen Fall unternehmen wir stets vor dem Eingriff und klären Sie darüber transparent im Vorherein auf.  

Wie sind die Erfolgsaussichten? 

Bei der Wurzelspitzenresektion gibt es eine klare Leitlinie1, an die wir uns halten. Der mikrochirurgische Ansatz ist heutzutage Standard. Bei moderner Technik liegt die Erfolgsrate gemäss Studien bei 85-95%. Traditionelle Techniken erreichen deutlich tiefere Erfolgsraten – von 40-50%.  

Bei zahnarztzentrum.ch erhalten Sie zahnmedizinische Leistungen auf dem neusten wissenschaftlichen Stand und mit modernster Ausrüstung. Dazu gehören unter anderem die interdisziplinäre Beurteilung unter einem Dach, 3D-Röntgen, MTA als Füllungsmaterial, Ultraschall, OP-Mikroskop oder Lupenbrille.   

Unser Ziel ist klar: Wir möchten Ihren natürlichen Zahn langfristig erhalten. Wobei wir selbstverständlich auch ökonomische Faktoren berücksichtigen. 

Welche Alternativen gibt es? 

Wie erwähnt ist – falls irgend möglich – die minimalinvasive Revision (erneute Wurzelbehandlung) die erste Wahl.  

In gewissen Fällen empfiehlt sich nach sorgfältiger Abwägung auch eine Zahnextraktion. Generell ist eine Wurzelspitzenresektion nicht empfohlen bei:  

  • Nicht erhaltungswürdigen Zähnen (die Zerstörung ist zu weit fortgeschritten oder die Kosten überwiegen den Nutzen der Behandlung) 

  • Gewissen systemischen Bedingungen: Zum Beispiel bei zu engem Wurzelkanal (nicht auflösbare Blockade des Wurzelkanals) oder erschwerten Heilungschancen (etwa bei einer stark fortgeschrittenen Parodontitis). 

Unter Umständen macht nach dem Zahnziehen das Setzen eines Implantats Sinn. 

Was sind die Kosten? 

Der Preis einer Wurzelspitzenresektion hängt stark von Zahn und Komplexität ab. Sie dürfen mit 900-1'000 CHF für eine Wurzelspitze rechnen, bis zu 1’600 CHF bei mehreren Wurzelspitzen und höherem Schwierigkeitsgrad. Ein Vorteil der retrograden Behandlung ist, dass Sie in den meisten Fällen keine neue Krone machen müssen, sondern Ihre bestehende intakt bleibt. 

Wie können Sie eine Wurzelspitzenresektion vermeiden? 

Komplikationen bei der Wurzelbehandlung können Sie als Patient nicht beeinflussen. Sie können jedoch dafür sorgen, dass Sie gar nicht erst Karies bekommen oder sie frühzeitig erkennen und behandeln lassen. So vermeiden Sie eine Entzündung der Wurzeln und eine Wurzelbehandlung oder Wurzelspitzenresektion wird gar nicht erst nötig.  

Achten Sie auf eine optimale Mundhygiene, inklusive regelmässiger Dentalhygiene und Zahnarztkontrollen. 

Fazit 

Die Wurzelspitzenresektion ist eine bewährte und effektive Möglichkeit, einen Zahn auch dann noch zu erhalten, wenn eine normale Wurzelbehandlung nicht ausreicht. Dank moderner mikrochirurgischer Technik und biokompatibler Materialien sind die Erfolgsaussichten hoch. 

Dennoch bleibt der Eingriff eine sekundäre oder letzte Behandlungsoption, die wir sorgfältig gegen Alternativen wie eine erneute Wurzelbehandlung oder eine Extraktion abwägen.  

Wir beurteilen Ihren individuellen Fall stets interdisziplinär – mit allen Spezialisten unter einem Dach. Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne telefonisch oder vereinbaren Sie Ihren nächsten Zahnarzttermin an einem unserer Standorte in Ihrer Nähe.  

 

Quelle: 

1 S2k-Leitlinie Wurzelspitzenresektion, Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), AWMF-Register 007-007, Stand Juli 2020