31.07.2025

Fehlbisse und Zahnfehlstellungen: Wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Schiefe Zähne, Platzmangel oder Lücken – Zahnfehlstellungen sind weit verbreitet und betreffen Kinder genauso wie Erwachsene. Doch nicht jede Abweichung ist behandlungsbedürftig.

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen, die uns in der Praxis gestellt werden – etwa: "Wie schädlich ist Daumenlutschen?" oder "Ist die kieferorthopädische Behandlung wirklich nötig?" Die folgenden Informationen können Ihnen helfen, eine fundierte Entscheidung für sich oder Ihr Kind zu treffen.

Was sind Zahnfehlstellungen überhaupt?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Arten von Fehlstellungen:

  • Dentale Fehlstellungen betreffen die Stellung einzelner Zähne im Zahnbogen.

  • Skelettale Fehlstellungen beziehen sich auf die Lagebeziehung von Ober- und Unterkiefer zueinander.

Oft liegt eine Kombination beider Formen vor. Ob und wie stark eine Fehlstellung ausgeprägt ist, lässt sich erst nach einer zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Untersuchung sicher sagen.

Typische Situationen in der Praxis

Bereits ab dem 5. oder 6. Lebensjahr lassen sich angeborene Zahn- und Kieferfehlstellungen erkennen. Viele Eltern kommen mit ihren Kindern zum Zahnarzt, weil die Frontzähne im Ober- oder Unterkiefer schief durchbrechen – was besonders beim Lächeln sichtbar ist.

Kinder nehmen Zahnfehlstellungen häufig nicht unbedingt als störend wahr – für sie ist ihre Mundsituation normal. Dies gilt umso mehr bei Fehlstellungen im Seitenzahnbereich, die noch weniger offensichtlich sind. Frühzeitige und regelmässige Kontrollen durch zahnärztliches Fachpersonal sind entsprechend wichtig.

Häufige Ursachen von Zahnfehlstellungen

  • Genetik: Ein Missverhältnis zwischen Zahn- und Kiefergrösse kann zu Platzmangel (Engstand) oder Lücken führen.

  • Früher Zahnverlust: Wenn Milchzähne zu früh ausfallen, können Nachbarzähne "wandern" – der bleibende Zahn hat dann keinen Platz mehr.

  • Ungünstige Angewohnheiten: Langjähriges Daumenlutschen, Nuckeln oder Mundatmung können die Kieferentwicklung beeinflussen.

  • Alter: Bei Erwachsenen ab circa 50 Jahren kommt es häufiger zum sogenannten "tertiären Engstand" – meist im Unterkiefer-Frontzahnbereich. Ursache ist die natürliche Wanderung der Zähne im Laufe des Lebens.

Formen von Zahnfehlstellungen

  • Engstand: Zähne stehen schief oder verdreht, weil der Platz im Kiefer nicht ausreicht.

  • Lückenstand/Diastema: Zähne haben zu viel Platz – oft genetisch bedingt.

  • Offener Biss: Die Frontzähne berühren sich beim Zubeissen nicht – häufig bei Mundatmung oder Zungenpressen.

  • Kreuzbiss: Ober- und Unterkieferzähne passen seitlich nicht aufeinander.

  • Progenie (Vorbiss): Der Unterkiefer steht zu weit vorne – oft sichtbar durch ein vorstehendes Kinn.

  • Tiefer Biss/Rückbiss: Der Oberkiefer dominiert, das Kinn wirkt "fliehend".

Warum Sie Zahnfehlstellungen behandeln sollten

Nicht jede Fehlstellung verursacht Probleme – aber manche können:

  • die Kaufunktion, Sprache oder Atmung beeinträchtigen

  • das Kiefergelenk belasten (CMD = Kraniomandibuläre Dysfunktion)

  • die Zahnpflege erschweren, was das Risiko für Karies oder Zahnfleischerkrankungen erhöht

  • sich negativ auf das Selbstbewusstsein auswirken – insbesondere im Jugendalter

Die Prognose hängt dabei immer stark von der dentalen und skelettalen Ausgangslage ab.

Ist eine Behandlung wirklich notwendig?

Viele Eltern fragen sich: Muss das wirklich sein? Die Antwort ist: Nicht jede kleine ästhetische Zahnfehlstellung müssen Sie behandeln lassen. Aber: Nur eine genaue Analyse – inklusive Röntgenaufnahmen und Scans – kann zeigen, ob eine ernstzunehmende Fehlstellung vorliegt.

Je früher Sie eingreifen, desto besser lässt sich das natürliche Wachstum nutzen – gerade bei skelettalen Fehlstellungen. Deshalb empfehlen wir eine erste kieferorthopädische Beurteilung bereits ab dem 6. Lebensjahr, besonders wenn bereits Auffälligkeiten sichtbar sind. Studien zeigen, dass die Mundhygiene sowie die damit verbundene Lebensqualität bei kieferorthopädisch behandelten 18- bis 30-Jährigen besser sind als bei der unbehandelten Vergleichsgruppe. 

Wie können Zahnfehlstellungen behandelt werden?

  • Herausnehmbare Apparaturen: Besonders bei jüngeren Kindern – helfen, das Wachstum zu lenken.

  • Festsitzende Zahnspangen (Multibracket-Apparaturen): Der Klassiker im Teenageralter.

  • Aligner (durchsichtige Schienen): Ästhetisch unauffällige Alternative, auch für Erwachsene – allerdings nicht für jede Fehlstellung geeignet.

  • Kombinierte Behandlung mit Kieferchirurgie: Bei sehr ausgeprägten skelettalen Fehlstellungen, bei denen die konventionelle Kieferorthopädie (KFO) nicht die gewünschten Resultate erreichen kann. Wichtig zu wissen: KFO-Behandlungen im Erwachsenenalter verlaufen deutlich langsamer als im Jugendalter. Sie sind auch mit mehr Risiken verbunden.

Woran erkenne ich eine mögliche Fehlstellung bei meinem Kind?

Achten Sie auf folgende Anzeichen:

  • Sehr grosse bleibende Zähne bei kleiner Kiefergrösse

  • Gedrehte oder versetzt durchbrechende Zähne

  • Längere Zahnlücken nach dem Ausfallen von Milchzähnen

  • Auffällig grosser Überbiss zwischen Ober- und Unterkiefer-Frontzähnen

  • Offener Mund/fehlender Lippenschluss beim Kind

Fazit: Früh erkennen – individuell entscheiden

Zahnfehlstellungen sind nichts Ungewöhnliches – wichtig ist, sie frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf behandeln zu lassen. Unsere Empfehlung: Beurteilen Sie die Zahnstellung bei Ihrem Kind bereits ab dem 6. Lebensjahr. Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind oder Veränderungen bemerken.

Gemeinsam finden wir heraus, ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist – zum Wohle der Funktion, Gesundheit und Ästhetik Ihrer Zähne oder der Ihrer Kinder.

Wir freuen uns, Sie - gerne auch gemeinsam mit Ihrem Kind – in einer unserer Praxen in Ihrer Nähe begrüssen zu dürfen! Buchen Sie Ihren nächsten Termin telefonisch oder online.

zahnarztzentrum.ch Redaktion