24.04.2020

Entzündeter Zahnnerv? Ursachen, Ablauf und Kosten einer Wurzelbehandlung

Haben Sie anhaltende oder pochende Zahnschmerzen, verspüren Sie ein Druck- oder Spannungsgefühl in einem Zahn oder tritt aus einem kleinen "Pickel" am Zahnfleisch eventuell Flüssigkeit aus?

All dies können Hinweise sein, dass Ihr Wurzelkanalsystem sich entzündet hat: Genauer gesagt, das darin liegende Nervengewebe.

Unbehandelt kann dies zu Fisteln, Abszessen oder gar Zahnverlust führen. Mit einer Wurzelkanalbehandlung können wir Ihren Zahn dagegen in vielen Fällen retten. 

Was sind die Ursachen entzündeter Wurzelkanäle, wann muss behandelt werden und wann nicht? Wie läuft eine Behandlung ab und wie können Sie zu einem erfolgreichen Resultat beitragen?  

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Entzündete Zahnnerven sind häufig und gut behandelbar. 

  • Mit einer Wurzelkanalbehandlung lässt sich der betroffene Zahn in der Regel erhalten. 

  • Die Behandlung erfolgt meist schmerzfrei unter lokaler Betäubung. 

  • Moderne Technik macht Wurzelbehandlungen heute sehr sicher. 

  • Eine gute Nachversorgung und regelmässige Kontrollen schützen den Zahn langfristig. 

Ursachen entzündeter Wurzelkanäle 

Die häufigste Ursache einer Nervenentzündung ist eine Karies, bei der die Bakterien bis zum Wurzelkanal vordringen und eine Entzündung der im Kanalsystem liegenden Zahnnerven hervorrufen. Auch ein Unfall oder eine tiefe Füllung können ihr jedoch zugrunde liegen. 

Wann ist eine Wurzelkanalbehandlung nötig?   

Grundsätzlich brauchen Sie eine Wurzelkanalbehandlung, wenn das Wurzelkanalsystem – in dem auch der Zahnnerv liegt – entzündet oder abgestorben ist. In vielen Fällen sind entzündete Wurzelkanäle äusserst schmerzhaft. Lassen Sie den betroffenen Zahn nicht behandeln, stirbt das Nervengewebe schrittweise ab. Erfolgt weiterhin keine Behandlung, versucht das Immunsystem, das abgestorbene Gewebe abzustossen.  

Dabei bilden sich häufig Fisteln (Art Hohlwege – meist von der Wurzelspitze bis zur Zahnfleischoberfläche – über die Eiter abfliessen kann) oder Abszesse (Schwellung mit Eiter). Oder aber Sie verlieren den Zahn gleich ganz, wenn für eine Behandlung nicht genügend Zahnhartsubstanz vorhanden ist.  

Ob eine Behandlung tatsächlich möglich ist oder Sinn macht, erfordert jedoch weitere Überlegungen. Der Zahnarzt beurteilt: 

  • welcher Zahn betroffen ist und ob dessen Erhalt wichtig ist 

  • den Zustand des Zahnhalteapparats, das heisst des Knochens und Zahnfleischs 

  • ob genügend gesunde Zahnsubstanz vorhanden ist, um den Zahn danach dicht verschliessen zu können

Gibt es eine Alternative zur Wurzelkanalbehandlung? 

Ist keine Wurzelkanalbehandlung möglich, bleibt nichts anderes übrig, als den betroffenen Zahn zu entfernen. Der beste Ersatz für die defekte Zahnwurzel ist dann oft ein Implantat (künstlicher schraubenförmiger Wurzelersatz), das der Zahnarzt mit einer Krone versorgt. 

Wie läuft die Wurzelbehandlung ab? 

Erst entfernt der Zahnarzt mit Bohrern und Handinstrumenten das krankhafte Gewebe aus dem Wurzelkanalsystem. Danach desinfiziert er den entstandenen Hohlraum und füllt beziehungsweise verschliesst diesen dicht, sodass keine neuen krankhaften Prozesse entstehen.  

Meistens sind für die Behandlung zwei Termine nötig – je nach Ausprägung der Entzündung auch mehr, oder weniger. Mit einer lokalen Betäubung verspüren Sie dabei in der Regel keine Schmerzen.  

Nach einer Wurzelbehandlung besteht ein erhöhtes Risiko für Brüche und Risse. Meistens werden sie deshalb mit einer Keramikkrone versorgt. Diese gewährleistet auch den dichten Verschluss über lange Zeit. 

Erfolgschancen  

Wurzelbehandlungen sind in den allermeisten Fällen sehr sicher und voraussagbar, wenn die Ausgangslage richtig beurteilt und moderne Standards eingehalten werden. Dazu gehören Kofferdam (ein Gummituch, das den Zahn während der Behandlung isoliert und so Bakterien fernhält), moderne rotierende Instrumente (Bohrer) sowie eine Lupenbrille oder ein OP-Mikroskop zur optischen Vergrösserung. 

Studien zeigen, dass die Erfolgschancen einer Wurzelbehandlung – je nach Ausgangslage und Aufbau der Studie – bei ungefähr 85 bis 95 Prozent liegen. Wie bei allen medizinischen Eingriffen gibt es keine hundertprozentige Sicherheit, dass das gewünschte Ergebnis erzielt wird. 

Gründe für mögliche Misserfolge 

Ungenügende Reinigung  

Beim Wurzelkanalsystem eines Zahnes handelt es sich um ein komplexes Hohlraumsystem: mit Hauptkanälen, manchmal Seitenkanälen, Querverbindungen, sich vereinigenden oder sich aufteilenden Kanälen sowie unregelmässig geformten Hohlräumen. 

Die Desinfektion des Wurzelkanalsystems stellt eine grosse Herausforderung dar und verlangt höchste Sorgfalt. Zudem kann es tatsächlich kein zahnärztliches Hilfsmittel vollständig sterilisieren: weder medikamentöse Einlagen (desinfizierendes Medikament, das zwischen den einzelnen Terminen im Kanalsystem bleibt) noch Spüllösungen noch Laser. 

Auffinden oder Zugang ist schwer 

Nicht immer findet der Zahnarzt bei der Behandlung alle Wurzelkanäle. Idealerweise hat der Zahnarzt ein OP-Mikroskop zur Unterstützung, zumindest aber eine Lupenbrille. 

Die Wurzelkanäle sind manchmal schwer oder gar nicht zugänglich. Sie können auch teilweise verschlossen sein – durch verkalkungsähnliche Zahnhartsubstanz oder Pulpasteine (Dentikel). Mit guter technischer Ausstattung können diese Fälle dennoch meist erfolgreich behandelt werden. 

Nicht gefundene und daher unbehandelte Wurzelkanäle (die zusätzlich eventuell mit Bakterien oder Toxinen infiziert sind) können zu Schmerzen und Entzündungen im Kieferknochen führen. Das Risiko besteht, dass weitere Komplikationen auftreten.  

Undichte Versorgung  

Meist wichtiger als die Behandlung der Wurzelkanäle selbst ist, dass diese im Anschluss dicht verschlossen werden. Bei einer undichten Versorgung kann es passieren, dass sich ein desinfiziertes Wurzelkanalsystem erneut infiziert.  

Solche Sekundärinfektionen sind noch schwieriger zu behandeln, da die dabei beteiligten Keime hartnäckiger und oft desinfektionsresistent sind. 

Wurzellängsfraktur 

Vor, während oder auch nach einer Wurzelbehandlung kann es sein, dass die Wurzel längs bricht (Fraktur) – wonach nur noch die Zahnentfernung möglich ist. Zähne mit eher dünnen Wurzelwänden und viel Substanzverlust sind öfter von Brüchen oder Rissen betroffen. Mögliche Gründe dafür sind:  

  • Unentdeckter Riss oder Bruch zu Behandlungsbeginn (Wurzellängsfrakturen, Risse oder Sprünge sind im Röntgenbild meist nicht sichtbar). 

  • Erweiterung des Wurzelkanals mit aggressiven, wenig flexiblen Instrumenten. 

  • Hoher Druck beziehungsweise hohe Krafteinwirkung beim Verdichten der Wurzelfüllung. 

Fremdkörper-Reaktionen 

Es kann passieren, dass das Füllmaterial über die Wurzelspitze hinaus in den Bereich der Kieferknochen oder die Nasennebenhöhlen gepresst wird. Dies etwa aufgrund zu hoher Druckausübung oder einer Fülltechnik, die nicht optimal auf das Wurzelkanalsystem abgestimmt ist 

In manchen Fällen kommt es dann zu einer Fremdkörperreaktion: Das überpresste Material wird abgekapselt oder resorbiert. Unter Umständen muss es in einem weiteren chirurgischen Eingriff entfernt werden. Füllmaterial in der Kieferhöhle sollte grundsätzlich entfernt werden, da es bei bestimmten Füllmaterialen zu einer Pilzinfektion kommen kann (Aspergillom).  

Bei zahnarztzentrum.ch verwenden wir allerdings unter anderem biokeramische Füllmaterialien. Diese weisen eine sehr gute Biokompatibilität auf, ermöglichen die Bildung von humanen Zellen an der Oberfläche und sind somit einzigartig in der Produktklasse – sie fördern die Wundheilung. 

Biofilm auf der Wurzelaussenfläche 

Eine Wurzelbehandlung ist ein endodontologischer Eingriff: der Zahnarzt arbeitet innerhalb des Wurzelkanalsystems. Mikroorganismen können sich jedoch nicht nur im Innern, sondern auch auf der Aussenfläche der Wurzeln ansiedeln. Ein solcher extraradikulärer Biofilm wird bei der Behandlung jedoch nicht erreicht – womit die Infektion nicht ausheilen kann.  

Alternativ zur Zahnentfernung bleibt in diesem Fall nur die Entfernung der Wurzelspitzen (Wurzelspitzenresektion). Hierbei besteht jedoch die Schwierigkeit, dass sich nicht feststellen lässt, ob sich die Bakterien tatsächlich auf der Wurzelaussenfläche befinden – und wenn, bis wohin diese verstreut sind.  

Echte Zysten 

In der Zahnmedizin unterscheiden wir zwischen einer echten Zyste und dem sogenannten "apikalen Granulom" – der chronischen apikalen Parodontitis. Das apikale Granulom kommt viel häufiger vor als die echte Zyste und heilt nach einer Wurzelbehandlung aus, da es mit dem Wurzelkanalsystem verbunden ist.  

Echte Zysten heilen nicht aus. Dennoch wird auch bei Verdacht darauf eine Wurzelbehandlung durchgeführt: Um sie vom apikalen Granulom unterscheiden zu können, muss Gewebe entfernt und im Labor untersucht werden. Dabei geht Knochen verloren – was Sie, wenn irgend möglich, verhindern möchten.  

Eine Gewebeprobe wird deshalb erst dann gemacht, wenn nach einer Wurzelbehandlung die Heilung ausbleibt. Dabei wird dann meist auch gleich die "verdächtige" echte Zyste entfernt und zur Sicherung der Diagnose ins Labor geschickt. 

Periapikale Aktinomykose 

Grund für eine chronische oder andauernde Entzündung der Wurzelspitzen kann auch eine periapikale Aktinomykose sein (eine weitere Art extraradikulärer Infektion).  

Typischerweise bilden sich dabei trotz Wurzelbehandlung wiederholt Fisteln. Sowohl Diagnose wie auch Behandlung einer Aktinomykose erfolgen operativ – wobei zusätzlich Antibiotika eingenommen werden muss.  

Wie können Sie zu einem erfolgreichen Resultat beitragen? 

 Achten Sie auf folgende Faktoren:   

  • Lassen Sie Ihre Zähne regelmässig kontrollieren. Im Idealfall wird eine Karies frühzeitig entdeckt und durch eine ganz "normale" Füllung behandelt. Sind die Wurzelkanäle bereits entzündet oder abgestorben, beugt eine frühzeitige Behandlung grössere Komplikationen vor.  

  • Suchen Sie insbesondere bei komplexen Fällen einen Spezialisten für Endodontie auf.  

  • Wählen Sie einen Zahnarzt mit einem OP-Mikroskop und grundsätzlich guter technischer Ausrüstung (unter anderem maschinelle, rotierende Wurzelkanalfeilen und Ultraschallinstrumente).

  • Schützen Sie Ihren Zahn zwischen den einzelnen Terminen: Essen Sie nichts Hartes (etwa harte Brotkruste, zähes Steak oder Nüsse). Benutzen Sie zum Kauen den behandelten Zahnmöglichst wenig.  

  • Investieren Sie in eine qualitativ hochwertige und langfristige Versorgung nach der Wurzelbehandlung: Teilkronen (Onlays) und Kronen schützen den Zahn effektiv vor Frakturen. 

  • Lassen Sie Ihre Zähne nach der Wurzelbehandlung regelmässig kontrollieren.  

Kosten einer Wurzelbehandlung 

Wie hoch die Kosten einer Wurzelbehandlung ausfallen, hängt vor allem davon ab, wie viele Wurzelkanäle der Zahn besitzt. Ein Schneidezahn verfügt meist über einen Kanal, während Backenzähne üblicherweise zwei bis vier Kanäle haben. 

Je nach Anzahl Sitzungen und dem individuellen Aufwand liegen die Behandlungskosten in der Regel zwischen 1’000 und 2’000 CHF. In diesem Betrag ist das verwendete Material bereits enthalten.  

Nicht eingeschlossen ist jedoch eine mögliche anschliessende Versorgung mit einer Teilkrone oder Krone. Dafür sollten Sie zusätzlich etwa 1’400 bis 1’600 CHF einplanen – abhängig von der Materialwahl und dem Arbeitsaufwand.  

Die allermeisten Wurzelbehandlungen verlaufen erfolgreich 

Vergessen Sie nicht: 85 bis 95 Prozent der Wurzelbehandlungen verlaufen erfolgreich. A und O sind die optimale Mundhygiene zu Hause und die regelmässige und frühzeitige Kontrolle beim Zahnarzt und der Dentalhygienikerin. So entsteht eine Karies gar nicht erst oder eine bestehende kann frühzeitig gestoppt werden, und es braucht keine Wurzelbehandlung – oder aber grössere Komplikationen können abgewendet werden.  

Haben Sie Beschwerden oder persönliche Fragen hierzu? Wir freuen uns auf Ihren Besuch in einer unserer schweizweit 43 Praxen. Buchen Sie Ihren nächsten Termin gerne online oder telefonisch.