24.01.2025

Wie der Zahnarzt einer Kiefernekrose vorbeugt

Allgemeinmedizinische Erkrankungen gehen teilweise mit komplexen Behandlungen einher, die auch den Zahnarzt betreffen. Um mögliche Komplikationen abzuwenden, müssen wir deshalb über bestehende oder anstehende Therapien - inklusive Einnahme spezifischer Medikamente - Bescheid wissen.

Osteoporose und Krebs sind zwei ebenjener Erkrankungen, denen wir in der Zahnarztpraxis grosse Beachtung schenken müssen. Ohne die richtigen Vorsichtsmassnahmen besteht die Gefahr, dass eine medikamentenbedingte Kiefernekrose entsteht. 

Was ist eine Kiefernekrose genau, wer gehört zur Risikogruppe - und welche präventiven Massnahmen treffen wir in der Zahnarztpraxis für Ihre Sicherheit? 

Was ist eine Kiefernekrose?

Eine medikamentenbedingte ("-assoziierte") Kiefernekrose (MRONJ) ist eine seltene aber ernste Komplikation, die bei der Einnahme bestimmter Medikamente wie Bisphosphonate oder Denosumab auftreten kann. Diese Medikamente, die unter anderem bei Osteoporose oder Krebserkrankungen eingesetzt werden, fördern die Knochenstabilität. Gleichzeitig können sie jedoch die Heilung von Verletzungen im Kieferbereich erschweren.

Was passiert bei einer Kiefernekrose?

Nach Eingriffen wie einer Zahnentfernung kann es sein, dass sich der Kieferknochen durch eine Wunde mit Bakterien infiziert. Bei gesunden Menschen heilt der Knochen in der Regel gut ab. Bei Patienten, die die genannten, antiresorptiven Medikamente einnehmen, verzögert sich die Heilung jedoch oft. 

Der Grund: Diese Medikamente hemmen die Aktivität jener Zellen, die für den Abbau alter Knochensubstanz zuständig sind (Osteoklasten). Dadurch regeneriert der Knochen weniger gut. In der Folge kann es sein, dass der Knochen an der betroffenen Stelle abstirbt (Osteonekrose). Besonders kritisch: Ein einmal eingetretener Schaden ist schwer zu beheben, da Medikamente wie Bisphosphonate über viele Jahre im Körper gespeichert bleiben und dort ihre Wirkung weiter entfalten1.

Wer ist besonders gefährdet?

Laut aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien tritt eine MRONJ häufiger auf bei:

  • Krebspatienten, die hohe Dosen antiresorptiver Medikamente erhalten.

  • Patienten mit Osteoporose unter langfristiger Therapie1.

  • Personen nach Eingriffen, die den Kieferknochen freilegen (zum Beispiel Zahnentfernungen oder Implantationen).2

Mit der richtigen Vor- und Nachsorge lässt sich das Risiko jedoch deutlich senken - und genau hier liegt bei uns in der Zahnarztpraxis der Fokus.

Unsere Massnahmen für Ihre Sicherheit

  1. Vor der Therapie – Gründliche Zahnsanierung

Bevor Sie mit einer antiresorptiven Therapie beginnen, prüfen wir in der Praxis sorgfältig den Zustand Ihrer Zähne und Ihres Kiefers. Dabei gehen wir gezielt auf folgende Punkte ein:

  • Beseitigung von Infektionsquellen: Wir entfernen zerstörte Zähne, Wurzelreste oder entzündetes Gewebe.

  • Behandlung von Druckstellen: Wenn Sie eine Prothese tragen, sorgen wir dafür, dass keine Druckstellen bestehen, die Wunden verursachen könnten.

  • Sicherung erhaltungswürdiger Zähne: Falls notwendig, führen wir eine Behandlung der Wurzelkanäle oder von Zahnfleischerkrankungen durch.

  • Nach einer Zahnentfernung achten wir darauf, dass die Wunde sauber verheilt und keine scharfen Kanten zurückbleiben, die die Mundschleimhaut verletzen könnten.

  1. Während der Therapie – Prävention und angepasste Behandlungsstrategien

Falls Sie bereits antiresorptive Medikamente einnehmen, stimmen wir Ihre zahnärztliche Behandlung speziell auf Ihre Bedürfnisse ab:

  • Die chirurgische Behandlung bei Risikopatienten führen bei uns vorwiegend Fachzahnärzte und Spezialisten für Oralchirurgie durch.

  • Vermeidung von Risiken: Wo möglich, ziehen wir schonende Behandlungsalternativen vor - zum Beispiel Brücken oder Kronen statt Implantaten.

  • Gewebeschonende Eingriffe: Sollte ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, arbeiten wir so vorsichtig wie möglich, um das umliegende Gewebe zu schützen.

  • Sicherer Wundverschluss: Nach einer Zahnentfernung verschliessen wir die Wunde besonders sorgfältig, um Infektionen und Komplikationen vorzubeugen.

  • Begleitende Antibiotika: Bei Bedarf schützen wir die Operationswunde mit einer antibiotischen Therapie.

  1. Regelmässige Kontrollen und optimale Mundhygiene

Eine gute Mundhygiene und regelmässige Kontrollen sind essentiell, um mögliche Komplikationen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Dazu gehören:

  • Halbjährliche Zahnreinigung: Wir entfernen Zahnbelag und prüfen Ihren Mundraum auf Veränderungen.

  • Individuelle Beratung: Gemeinsam mit Ihnen besprechen wir, wie Sie Ihre Mundgesundheit zu Hause optimal unterstützen können.

Ihr Vertrauen – unsere Verantwortung

Mit unseren erfahrenen Spezialisten und unserem Fokus auf Qualität und Patientenvertrauen stimmen wir Ihre zahnmedizinische Versorgung bestmöglich auf Ihre individuelle Situation ab. Durch präzise Diagnostik und sorgfältige Planung sorgen wir dafür, dass Risiken wie eine Kiefernekrose minimiert werden und Sie sich bei uns rundum gut aufgehoben fühlen.

Haben Sie Fragen oder benötigen Sie eine Beratung? Wir sind mit langen Öffnungszeiten und auch an den Wochenenden an 42 Standorten für Sie da!

1 Grötz, K. A. und Al-Nawas, B. (2016) „Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose“, Der MKG-Chirurg, 9(3), S. 207–217.

2 Schiegnitz et al. (2018) S3-Leitlinie 007/091: Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen (AR-ONJ).