02.11.2026

Retinierte Zähne – was tun, wenn ein Zahn nicht durchbricht

Die meisten von uns erinnern sich noch an das Wackeln der Milchzähne und die Vorfreude auf die bleibenden Zähne. Im Idealfall brechen unsere Zähne reibungslos durch das Zahnfleisch in die Mundhöhle. Doch manchmal bleibt ein Zahn genau dort stecken, wo wir ihn nicht sehen – im Kieferknochen.

Was passiert, wenn ein Zahn auf halbem Weg stecken bleibt – oder gar nicht erst zum Vorschein kommt? Erfahren Sie über die Ursachen, Risiken und Behandlung sogenannter retinierter Zähne. 

Das Wichtigste in Kürze 

  • Ein retinierter Zahn bleibt im Kiefer verborgen 

  • Häufig betroffen sind Weisheitszähne und obere Eckzähne 

  • Beschwerden reichen von symptomlos bis zu Schmerzen und Entzündungen 

  • Unbehandelt können Folgeschäden wie Zysten oder Schäden an Nachbarzähnen entstehen 

  • Moderne Diagnostik und Behandlungen ermöglichen eine sichere und gezielte Therapie 

Was genau ist ein retinierter Zahn? 

Das Wort Retention stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Zurückhaltung. Ein retinierter Zahn hat seinen normalen Durchbruchs-Zeitpunkt überschritten und liegt weiterhin vollständig im Kieferknochen verborgen. 

Manchmal schafft es der Zahn auch nur ein kleines Stückchen durch das Zahnfleisch – dann sprechen wir von einem teilretinierten Zahn. Wenn der Zahn zusätzlich noch schief oder quer im Knochen liegt, ist er verlagert.

Wie machen sich (teil-)retinierte Zähne bemerkbar? 

Das Tückische an retinierten Zähnen ist: Sie können sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen – oder manchmal auch gar nicht. Die Symptome hängen stark davon ab, wie tief der Zahn im Kiefer liegt: 

1. Der komplett retinierte Zahn – "der stumme Schläfer".

Bleibt ein Zahn vollständig unter der Knochen- und Zahnfleischgrenze verborgen, verursacht er oft über Jahre hinweg überhaupt keine Beschwerden. Selten entsteht ein dumpfes Druckgefühl im Kiefer, wenn der Zahn im Verborgenen gegen die Wurzeln der Nachbarzähne drückt. 

  • Auffälligkeit: Meist fällt lediglich auf, dass in der Zahnreihe eine Lücke besteht oder ein Milchzahn (oft ein Eckzahn) ungewöhnlich lange im Kiefer bleibt. 

  • Zufallsbefund: In den meisten Fällen entdecken wir diese Zähne rein zufällig bei einer Routine-Röntgenaufnahme.  

2. Der teilretinierte Zahn – Bakterien kommen ins Spiel:

Schafft der Zahn es ein kleines Stück durch das Zahnfleisch, entsteht eine Art offene Tür: Über der Zahnkrone bildet sich oft eine kleine Zahnfleischkapuze. Darunter sammeln sich Speisereste und Bakterien an, die Sie selbst mit der besten Zahnbürste kaum erreichen können. Die Folge sind oft akute Beschwerden: 

  • Schmerzen und Schwellungen: Das umliegende Zahnfleisch entzündet sich, ist stark gerötet, pocht und schwillt an. 

  • Ausstrahlende Schmerzen: Oft strahlt der Schmerz in den gesamten Kiefer, das Ohr oder sogar in Richtung Kopf aus (besonders typisch für Weisheitszähne). 

  • Unangenehmer Geschmack und Mundgeruch: Verursacht durch die Bakterienansammlung in der schwer zu reinigenden Zahnfleischtasche.

  • Eingeschränkte Mundöffnung: Bei starken Entzündungen im Bereich der hinteren Weisheitszähne kann es schwer oder schmerzhaft sein, den Mund vollständig zu öffnen. 

Weshalb brechen Zähne nicht immer (vollständig) durch? 

Unsere heutigen Kiefer sind im Laufe der Evolution kleiner geworden, die Anzahl der Zähne ist allerdings gleich geblieben. Die Natur scheitert also häufig schlichtweg an Platzmangel. Weitere Ursachen für (teil-)retinierte Zähne können sein: 

  • Milchzähne die zu früh verloren gingen oder zu lange im Kiefer verblieben sind 

  • Genetische Veranlagung 

  • Kleine Hindernisse wie Zysten oder überzählige Zähne im Knochen 

Welche Zähne und wer ist am häufigsten betroffen?  

Theoretisch kann jeder Zahn im Kiefer stecken bleiben. In der Praxis sehen wir dies jedoch meistens bei zwei bestimmten Zahngruppen: 

  • Weisheitszähne: Sie sind die absoluten Spitzenreiter. Da sie als Letzte wachsen, finden sie oft schlichtweg keinen Platz im Kiefer und bleiben im Knochen verborgen. 

  • Obere Eckzähne: Sie haben einen relativ langen Weg vom Entstehungsort bis in die Zahnreihe und können dabei leicht vom Kurs abkommen. 

Grundsätzlich kann eine Zahnretention bei jedem auftreten. Im Praxisalltag sehen wir allerdings deutliche Häufungen in ganz bestimmten Lebensphasen: 

  • Jugendliche und junge Erwachsene (16 bis 25 Jahre): Das Alter, in dem normalerweise die Weisheitszähne durchbrechen. Als letzte in der Reihe finden sie wie erwähnt oft keinen Platz. 

  • Kinder im Zahnwechsel: Wenn obere Eckzähne retiniert oder verlagert sind, fällt dies meist bei Routinekontrollen im Alter von 10 bis 14 Jahren auf. Oft fallen die entsprechenden Milchzähne nicht rechtzeitig aus. 

  • Familiäre Veranlagung: Oft beobachten wir, dass Platzmangel im Kiefer oder fehlgeleitete Zahnkeime innerhalb der Familie gehäuft auftreten. Wenn Eltern bereits Probleme mit retinierten Eck- oder Weisheitszähnen hatten, ist die Wahrscheinlichkeit dafür auch bei den Kindern etwas höher. 

Muss ein retinierter Zahn immer behandelt werden? 

Ein Zahn, der tief im Knochen schläft und keine Probleme macht, bleibt oft unbemerkt und wird nur zufällig auf einem Röntgenbild entdeckt. Dasselbe gilt für verlagerte Zähne. Handeln Sie jedoch, sobald Probleme auftreten:

Denn wenn Sie einen problematischen, (teil-)retinierten Zahn im Kiefer lassen, drohen: 

  • chronische, schmerzhafte Entzündungen des darüberliegenden Zahnfleisches 

  • die Bildung von Zysten im Kieferknochen  

  • die Beschädigung der Wurzeln benachbarter, völlig gesunder Zähne. 

Vor allem teilretinierte Zähne bergen ein Risiko: Die kleine Zahnfleischtasche über dem Zahn lässt sich beim Zähneputzen kaum reinigen. Bakterien können sich dort leicht vermehren und zu schmerzhaften Entzündungen oder Karies am Nachbarzahn führen. Auch Zystenbildungen um die Krone eines komplett retinierten Zahnes sind möglich. 

Die gute Nachricht: Dank moderner digitaler Diagnostik (wie dem 3D-Röntgen/DVT) können wir die  genaue Lage Ihres Zahnes und seine Nähe zu Nerven exakt bestimmen.   

Welche Lösungen gibt es? 

Die Behandlung hängt stark davon ab, um welchen Zahn es sich handelt: 

  • Entfernung – meist bei Weisheitszähnen. Hat der Zahn keinen Platz oder verursacht er Schmerzen, ist eine Entfernung durch einen erfahrenen Zahnarzt oder Oralchirurgen die beste Wahl. Dies ist heutzutage ein absoluter Routineeingriff und dank moderner Betäubungsverfahren in der Regel komplett schmerzfrei. Lesen Sie hier mehr zur Weisheitszahnentfernung. 

  • Freilegung und Einordnung   – meist bei Eckzähnen: Gerade bei wichtigen Zähnen wie den Eckzähnen arbeiten wir oft eng mit der Kieferorthopädie zusammen. Der Behandler legt den Zahn in einem kleinen chirurgischen Eingriff frei und zieht ihn dann mit einer Spange (eine "Zugkette" die die Spange mit dem Bracket verbindet, das an den entsprechenden Zahn geklebt wurde) schonend an seinen richtigen Platz in der Zahnreihe. 

Was sind die Erfolgsaussichten – und Risiken? 

Jeder zahnmedizinische Eingriff wirft Fragen nach den Risiken und den Aussichten auf Erfolg auf. Vorweg: Die Entfernung retinierter Zähne gehört zu den häufigsten Routineeingriffen in der Oralchirurgie. Die Heilungsphase dauert in der Regel nur wenige Tage. Danach sind Sie vor Entzündungen und Schmerzen in diesem Kieferbereich geschützt. 

Auch die Freilegung und kieferorthopädische Einordnung von Eckzähnen ist ein standardisiertes Verfahren mit hervorragenden Langzeiterfolgen. Mit etwas Geduld lässt sich der verborgene Zahn in den allermeisten Fällen harmonisch in die Zahnreihe integrieren – für ein funktionell gesundes und ästhetisch lückenloses Lächeln. 

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es auch bei der operativen Entfernung oder Freilegung allgemeine Begleiterscheinungen wie Schwellungen oder Wundschmerzen. Bei Weisheitszähnen im Unterkiefer verläuft ein wichtiger Nerv oft in der Nähe der Zahnwurzeln, der bei der OP geschont werden muss.

Bei komplexen Lagen nutzen wir entsprechend die digitale 3D-Röntgentechnik (DVT). Damit können wir den Verlauf der Nerven und Nachbarwurzeln vorab in 3D betrachten und den Eingriff sicher planen. 

Worauf gilt es nach der Behandlung zu achten? 

Ist der Zahn erfolgreich entfernt oder freigelegt, beginnt die Heilungsphase. Diese können Sie in den ersten Tagen nach dem Eingriff massgeblich durch Ihr Verhalten beeinflussen. Wir geben Ihnen nach der Behandlung immer genaue Instruktionen mit. Die wichtigsten Grundregeln lauten jedoch: 

  • Kühlen: Um Schwellungen und Blutergüsse so gering wie möglich zu halten, sollten Sie die Wange von aussen direkt nach dem Eingriff kühlen. Wichtig: Legen Sie Coolpacks nie direkt auf die Haut, sondern wickeln Sie sie in ein Tuch ein. 

  • Körperliche Schonung: Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe. Verzichten Sie in den ersten Tagen auf Sport, Saunabesuche, Solarium und schwere körperliche Arbeit. Ein erhöhter Blutdruck kann Nachblutungen auslösen. 

  • Die richtige Ernährung: Setzen Sie in den ersten Tagen auf weiche Kost (zum Beispiel Suppen, Brei, weiche Pasta). Vermeiden Sie heisse, scharfe oder sehr krümelige Speisen (wie Knäckebrot oder Nüsse), da diese die Wunde reizen könnten. Falls wir Ihnen entsprechende Antibiotika verschrieben haben, sollten Sie kurzfristig auf Milchprodukte verzichten. 

  • Genussmittel pausieren: Rauchen und Alkohol sind in den ersten Tagen nach der OP absolut tabu. Vor allem Nikotin verschlechtert die Durchblutung extrem und verzögert die Wundheilung, was das Risiko für Infektionen stark erhöht. 

  • Sanfte Mundhygiene: Putzen Sie Ihre restlichen Zähne weiterhin wie gewohnt, aber sparen Sie das Operationsgebiet vorsichtig aus. Vermeiden Sie in den ersten 24 Stunden heftiges Ausspülen, damit der Blutpfropf, der die Wunde verschliesst und schützt, nicht weggespült wird. 

Wann sollten Sie sich beim Zahnarzt melden?  

Ein leichtes Nachbluten (rosa gefärbter Speichel) oder ein Ziehen in den ersten Tagen nach dem Eingriff sind völlig normal. Sollten Sie jedoch pochende Schmerzen bekommen, die Schwellung nach drei Tagen plötzlich wieder zunehmen, Fieber auftreten oder die Wunde stark bluten – suchen Sie uns auf.

Wir rufen Sie jedoch ohnehin – auch wenn alles planmässig verläuft – nach zwei bis drei Tagen kurz an und erkundigen uns persönlich nach Ihrem Wohlbefinden. So stellen wir sicher, dass es Ihnen gut geht und die Heilung optimal gestartet ist.  

Fazit 

Retinierte Zähne bleiben oft lange unbemerkt – können aber zu Entzündungen und Folgeschäden führen. Mit einer frühzeitigen Abklärung schaffen Sie Klarheit und ermöglichen eine gezielte, schonende Behandlung.  

Falls Sie Schmerzen in einem Bereich haben in dem "eigentlich gar kein Zahn ist", oder sich unsicher über Ihre Weisheitszähne sind, sprechen Sie uns beim nächsten Kontrolltermin einfach an. Wir beraten Sie gerne und finden gemeinsam den besten Weg für Ihre Zahngesundheit.

Buchen Sie Ihren Termin online oder telefonisch – bei einem zahnarztzentrum.ch in Ihrer Nähe.