Auf die Mundgesundheit – warum weniger Alkohol Ihren Zähnen guttut
Alkohol ist weniger "cool" als noch vor ein paar Jahren – besonders bei jüngeren Menschen. Das begrüssen wir aus zahnärztlicher Sicht sehr: Wenn Sie Alkohol reduzieren oder ganz darauf verzichten, tun Sie nicht nur Ihrer allgemeinen Gesundheit etwas Gutes – sondern auch Ihren Zähnen und Ihrem Zahnfleisch.
Weniger Karies, gesünderes Zahnfleisch, weniger Verfärbungen und Mundgeruch sowie ein geringeres Risiko für Mundkrebs – das sind nur einige der positiven Effekte. Ihr Mund profitiert schneller, als Sie vielleicht denken.
Das Wichtigste in Kürze:
Weniger Alkohol bedeutet weniger Karies
Ihr Zahnfleisch bleibt gesünder
Ihr Immunsystem wird stärker – auch im Mund
Ihr Risiko für Mundkrebs sinkt deutlich
Sie vermeiden Verfärbungen, Mundgeruch und Zahnschmelz-Schäden
Warum weniger Alkohol Ihren Zähnen guttut
1. Weniger Karies
Durch weniger Alkoholkonsum reduzieren Sie Ihr Kariesrisiko gleich über zwei Mechanismen:
Speichel – Ihr natürlicher Schutz
Alkohol wirkt zellschädigend. Er entzieht Ihrem Körper Flüssigkeit und trocknet die Schleimhäute aus. Weniger Flüssigkeit im Körper bedeutet auch, dass weniger Wasser vorhanden ist, um Speichel zu bilden.
Speichel ist jedoch für Ihre Zahngesundheit wichtig. Er:
spült beziehungsweise reinigt die Zähne
remineralisiert den Zahnschmelz
neutralisiert den pH-Wert im Mund
Fehlt dieser Schutz, steigt Ihr Kariesrisiko deutlich. Umgekehrt sinkt es, wenn Ihr Körper ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist und genügend Speichel produziert.
Zucker und Säuren – der Doppelangriff
Alkoholische Getränke enthalten Zucker und Säuren:
Säure entmineralisiert beziehungsweise weicht Ihren Zahnschmelz auf.
Zucker dient Bakterien als Nahrung – wobei sie den Zucker in Säure umwandeln.
Beides zusammen entzieht dem Zahnschmelz Mineralien (Demineralisation) und begünstigt Karies.
Besonders problematisch: Harter Alkohol gemixt mit süssen Limonaden. Solche Mixgetränke enthalten entsprechend noch mehr Zucker und Säuren – womit sich der schädigende Effekt vervielfacht.
Seien Sie sich bewusst: Alkoholische Getränke unterscheiden sich stark im Zuckergehalt. So enthalten bereits verschiedene Weinsorten sehr unterschiedliche Mengen an Zucker:
Trockene Rot- oder Weissweine: ca. 2 g Zucker pro Glas
halbtrockene Weine: ca. 3–5 g
Süsse Weine: ca. 10 g
Spätlesen: bis zu 20 g pro Glas
2. Gesünderes Zahnfleisch
Ein trockener Mund bietet schädlichen Bakterien ideale Bedingungen.
Das Risiko für Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Parodontitis (Entzündung und Abbau des Zahnhalteapparates) steigt deutlich.
Alkohol schwächt zudem Ihr Immunsystem. Ihr Körper reagiert anfälliger auf Infektionen – auch im Mundraum. Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum, stärken Sie dagegen Ihre Abwehrkräfte. Ihr Zahnfleisch kann sich besser schützen und regenerieren.
3. Bessere Wundheilung
Ein starkes Immunsystem unterstützt die Heilung. Das gilt auch nach zahnärztlichen Eingriffen oder einer Dentalhygiene.
4. Geringeres Risiko für Mundkrebs
Alkohol gehört – neben Rauchen – zu den wichtigsten Risikofaktoren für Mundkrebs1. Zusammen steigt das Risiko dabei noch stärker als einzeln, insbesondere bei unzureichender Mundhygiene.
Alkohol reizt Ihre Schleimhäute ständig. Er begünstigt auch Speiseröhren- und Rachenkrebs. Wenn Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren, senken Sie Ihr Risiko für:
Mundkrebs
Rachenkrebs
Speiseröhrenkrebs
5. Weniger Erosionen
Säuren, die in alkoholischen Getränken enthalten sein können, greifen den Zahnschmelz direkt an und können ihn erodieren.
Die Zähne werden flacher oder es entstehen kleine Krater oder Einkerbungen.
Mögliche Folgen:
Karies
Empfindlichkeit auf Süsses, Saures und Kälte
Verletzung des Zahnnervs: mögliche Wurzelbehandlung
Stark verkürzte Zähne: Überkronung notwendig
6. Weniger Verfärbungen
Einige alkoholische Getränke verfärben die Zähne deutlich. Das gilt insbesondere für:
Rotwein
Dunkle Mixgetränke (zum Beispiel mit Cola)
7. Weniger Mundgeruch
Mundtrockenheit fördert unangenehmen Geruch: Weniger Speichel bedeutet weniger natürliche Reinigung und weniger Schutz für die Zähne. Bakterien können sich leichter vermehren.
Reduzieren Sie Alkohol, verbessert sich häufig auch Ihr Atem.
Unsere Tipps für einen zahngesünderen Alkoholkonsum
Reduzieren Sie Ihren Konsum oder verzichten Sie ganz
Vermeiden Sie Shots beziehungsweise hochprozentigen Alkohol – dieser ist besonders zellschädigend
Trinken Sie Alkohol nicht über den ganzen Abend verteilt – da dies ständigen Säureattacken gleichkommt
Spülen Sie mit Wasser oder einer Mundspülung
Denken Sie daran, Ihre Zähne vor dem Schlafengehen zu putzen
Warten Sie nach säurehaltigen Getränken 30 Minuten mit dem Zähneputzen
Wählen Sie zuckerarme oder zuckerfreie Mix-Alternativen
Was tun bei bestehenden Symptomen?
Entzündetes Zahnfleisch: Professionelle Dentalhygiene, optimale Mundhygiene zu Hause (Zahnseide / Interdentalbürsten), Alkohol reduzieren.
Verfärbungen: Dentalhygiene bei oberflächlichen Verfärbungen. Bei Bedarf hilft ein Bleaching.
Mundgeruch: Viel Wasser trinken, gründliche Mundhygiene, Zungenreinigung.
Fazit
Alkohol reduzieren lohnt sich: Sie stärken damit nicht nur Ihre allgemeine Gesundheit – sondern schützen auch Ihre Zähne, Ihr Zahnfleisch und Ihre Schleimhäute. Das bedeutet: Weniger Karies, gesünderes Zahnfleisch, weniger Verfärbungen und Mundgeruch sowie ein geringeres Risiko für Mundkrebs. Und: Ihr Lächeln wird schöner!
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Quelle:
1 Boffetta, P., & Hashibe, M. (2006). Alcohol and cancer. The lancet oncology, 7(2), 149-156.