Zucker in Babynahrung – Eine zahnmedizinische Gefahr ab dem ersten Zahn
Schon die ersten Zähnchen brauchen Schutz. Viele Eltern sind überrascht: Selbst in Produkten, die gesund wirken – wie Babytees, Joghurts oder Fruchtbreie – steckt oft viel Zucker. Dieser Zucker kann schon im Milchgebiss Karies verursachen. In der Zahnarztpraxis sehen wir das fast täglich.
Hier erfahren Sie, worauf Sie bei Baby- und Kleinkindnahrung achten sollten – und wie Sie die Zähne Ihres Kindes von Anfang an schützen können.
Zucker in Babyprodukten – ein unterschätztes Risiko
In beliebten Produkten für Babys und Kleinkinder steckt oft viel Zucker. Die jeweilige Nährwerttabelle gibt Aufschluss darüber (weitere Empfehlungen im Abschnitt "Was können Sie als Eltern tun?").
Auch bei Produkten mit der Aufschrift "ohne Zuckerzusatz" sollten Sie jedoch genau hinschauen: Diese Angabe bedeutet lediglich, dass kein zusätzlicher Zucker beigefügt wurde – Zutaten wie Früchte oder Milch enthalten aber von Natur aus Zucker. Auch diese natürlichen Zucker können von Bakterien im Mund in Säuren umgewandelt werden, was zu Karies führen kann.
Warum bereits die ersten Zähnchen Schutz brauchen
Sobald der erste Zahn durchbricht, besteht das Risiko für frühkindliche Karies (auch Early Childhood Caries genannt). Diese Form der Karies, die die Milchzähne betrifft, breitet sich oft schnell in der gesamten Mundhöhle aus – mit Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Entwicklung des Kindes, das Immunsystem sowie die Gesundheit und Stellung der späteren, bleibenden Zähne. Trotz guter zahnärztlicher Versorgung ist frühkindliche Karies in der Schweiz keine Seltenheit.
Kritische Situationen aus zahnärztlicher Sicht
Bestimmte Alltagssituationen erhöhen das Risiko, dass sich Karies bei Kleinkindern schnell entwickelt. Besonders kritisch aus zahnärztlicher Sicht sind:
Häufige zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten – ständiges Naschen führt dazu, dass die Zähne permanent Zucker ausgesetzt sind.
Einschlafen mit der Flasche – besonders bei gesüssten Tees oder Milch können Zähne über Nacht von Zucker umspült werden.
Kaum oder verspätete Zahnpflege – unregelmässiges Putzen lässt Kariesbakterien freie Bahn.
Was können Sie als Eltern tun?
Wir empfehlen folgende Massnahmen, um die Zähnchen Ihres Kleinkindes zu schützen:
Zuckerarme Ernährung fördern: Babys brauchen keine zusätzlichen Zucker – Obst, Gemüse und Getreide reichen vollkommen aus.
Zuckergehalt prüfen: Achten Sie auf die Nährwerttabelle auf der Produktetikette.
Zwischenmahlzeiten reduzieren: Lieber 3 x täglich eine Hauptmahlzeit als ständige Snacks (das heisst auch keinen Fruchtriegel im Kinderwagen). Das Kariesrisiko steigt mit der Häufigkeit der zuckerhaltigen Nahrungsaufnahme.
Getränke ohne Zucker: Wasser oder ungesüsster Tee – keine gesüssten Babytees, Milch oder Säfte.
Zahnpflege ab dem ersten Zahn: Einmal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta putzen – die richtige Menge enthält 500ppm Fluorid. Tipps zum Zähneputzen mit Kindern finden Sie hier.
Keine zuckerhaltigen Getränke mehr nach dem Zähneputzen abends. Das heisst, auch keine Milchflasche im Bett.
Ernährungsberatung beim (Kinder-)Zahnarzt oder Kinderarzt: Lassen Sie sich in Ihrer Kinderzahnarztpraxis individuell beraten – besonders bei Fragen zur Ernährung im ersten Lebensjahr.
Fazit für die Zahngesundheit
Zucker ist schon ab dem ersten Zähnchen ein Problem – nicht erst, wenn die bleibenden Zähne durchbrechen (meist im Alter von etwa 6 Jahren). Je früher Sie auf eine zahngesunde Ernährung achten, desto eher bleibt Ihr Kind von Karies verschont.
Gesunde Milchzähne sind die Basis für ein strahlendes Kinderlachen – wir unterstützen Sie gerne dabei. Buchen Sie Ihren nächsten Besuch in einer unserer Praxen in Ihrer Nähe – telefonisch oder online.
Quellen:
Menghini, G., Steiner, M., Thomet, E., Roos, M., & Imfeld, T. (2008). Caries prevalence in 2-year-old children in the city of Zurich. Community Dent Health, 25(3), 154-160. https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/4970/9/Menghini_Kleinkinderkaries_Ther_Umsch_2008_2-V.pdf
Menghini, G., Steiner, M., & Imfeld, T. (2008). Kleinkinderkaries – Fakten und Vorbeugung. Therapeutische Umschau, 65(2), 75–82. https://doi.org/10.1024/0040-5930.65.2.75