13.11.2024

Zahnschutz für Kinder beim Sport

Zum allgemeinen Wohlbefinden Ihres Kindes gehört auch dazu, dass dessen Zähne gesund sind. Nebst einer optimalen Mundhygiene und idealen Ernährungsgewohnheiten von Beginn an ist es auch wichtig, dass die Zähne beim Sport geschützt sind. 

Zahnverletzungen beim Sport passieren regelmässig und unabhängig vom Alter. Der jeweilige Schweregrad sowie die Häufigkeit und Art der Verletzung hängen vor allem von der Sportart ab und dem (Nicht-)Tragen der empfohlenen oder vor­geschriebenen Schutzkleidung. 

Wie können Sie als Eltern dazu beitragen, dass die Zähne Ihres Kindes beim Sport effektiven Schutz erhalten?

Arten von Zahnverletzungen beim Sport

Zahnverletzungen können wie erwähnt bei allen Sportarten passieren. Am häufigsten ereignen sie sich gemäss unserer Erfahrung jedoch beim Skifahren, Wasserball, Fussball,  Basketball, Handball, Hockey und Turnen.

Die Kronenfraktur ist mit Abstand die häufigste unfallbedingte Zahnverletzung beim Sport (60 bis 80 Prozent aller Zahnunfälle)1

Zahnverletzungen, bei denen die Zähne verschoben, hinein- oder herausgeschlagen werden, kommen hingegen nicht so häufig vor. 

Kiefergelenkverletzungen und -frakturen wiederum sind im Vergleich zu Zahnverletzungen selten. 

Warum das Tragen eines Mundschutzes wichtig ist

Es gibt viele Gründe, warum wir das Tragen eines Mundschutzes beziehungsweise einer Mundschutzschiene während einer sportlichen Aktivität ans Herz legen:

  • Als erstes gilt die Vermeidung beziehungsweise Vorbeugung einer Zahnverletzung. 

  • Die Mundschutzschiene kann ausserdem die Kiefergelenke schön schützen, da sie Stabilität und Unterstützung bietet. 

  • Zu guter Letzt reduziert das Tragen einer Mundschutzschiene Gehirnerschütterungen, da die Schiene als Puffer beziehungsweise dämpfend zwischen Ober- und Unterkiefer funktioniert.

Milch- und bleibendes Gebiss: Schutz der Zähne von Beginn an

Im Laufe unseres Lebens bekommen wir zwei Zahnsets, sogenannte Dentitionen: Milchzähne und bleibende Zähne. Das Zahngebiss entwickelt sich in den folgenden Stadien:

  • Die ersten Milchzähne zeigen sich meist im Alter von 6 bis 8 Monaten. Den Anfang machen in der Regel die beiden unteren Schneidezähne. Mit etwa 2.5 bis 3 Jahren ist das Milchgebiss mit insgesamt 20 Zähnen vollständig.

  • Ungefähr mit dem Schuleintritt beginnen die Schneidezähne des Milchzahngebisses auszufallen. Die ersten bleibenden Backenzähne sind um diese Zeit meist unbemerkt durchgebrochen.

  • Im Alter von etwa 13 Jahren ist der Durchbruch der bleibenden 28 Zähne abgeschlossen. Die Weisheitszähne zeigen sich meist bei Volljährigkeit.

Für die Mundgesundheit und das allgemeine Wohlbefinden Ihres Kindes ist entscheidend, dass bereits die Milchzähne Schutz erhalten. Dies insbesondere, weil ein herausgeschlagener Milchzahn ein erhöhtes Risiko einer Ankylose (Bewegungsverlust des Zahnes) aufweist, wodurch der Milchzahn nicht herausfallen kann, was wiederum den Durchbruch des bleibenden Zahnes beeinträchtigt. Ausserdem beugt ein Mundschutz die Beschädigung des Zahnkeims vor.

Arten von Mundschutz 

Sportlerschienen

Sportlerschienen sind speziell angefertigte Schienen, die dazu dienen, die Zähne und das Kiefergelenk während sportlicher Aktivitäten zu schützen. Sie werden oft auch als Mundschutz oder Sportmundschutz bezeichnet. 

Der Zahnarzt formt hierfür erst die Zähne Ihrer Kinder ab. Mittels dieses Abdruckes fertigt der Zahntechniker dann die Mundschutzschiene individuell an.

Bei der Sportlerschiene handelt sich wegen der personalisierten Anpassung und des Aufwands um die teuerste aller Varianten. Sie kann jedoch den besten Schutz bieten.

Boil-and-Bite Mundschutz

Der Boil-and-Bite Mundschutz ist in Sportgeschäften erhältlich. Durch Erwärmen wird er weicher, lässt sich formen und entsprechend an die Form der Zähne anpassen. Dieser Mundschutz sitzt ziemlich gut an und ist als bequemer als der konfektionierte Mundschutz (siehe nächster Abschnitt).

Konfektionierter Mundschutz

Dieser Mundschutz ist ebenfalls in Sportgeschäften erhältlich. Er ist kostengünstig und vorgeformt. Er lässt keine individuelle Anpassung zu, weshalb er beim Sport insbesondere das Atmen beeinträchtigt und den geringsten Schutz bietet. Wir können diesen Mundschutz nicht empfehlen.

Welcher Mundschutz für welches Alter?

Aus Erfahrung empfehlen wir beim Milchgebiss den Boil-and-Bite Mundschutz. Dies vor allem aufgrund der niedrigen Kosten mit gleichzeitig ausreichendem Schutz. 

Sobald sich die ersten mittleren bleibenden Zähne im Ober- und Unterkiefer zeigen, empfehlen wir auf alle Fälle die Sportlerschiene. Behalten Sie als Eltern aber im Kopf, dass die Sportlerschiene entsprechend dem Zahnwachstum angepasst  werden sollte. 

Ist Ihr Kind in einer kieferorthopädischen Behandlung, sollte der Zahnarzt hinsichtlich Mundschutz Rücksprache mit dem Kieferorthopäden halten.

Verhalten am Unfallort

Das Verhalten unmittelbar nach einem Zahnunfall kann für die Therapie und die Prognose des verletzten Zahnes entscheidend sein. 

Bleibendes Gebiss

Dies gilt insbesondere bei Kronenfrakturen und herausgeschlagenen Zähnen (Avulsionen) im bleibenden Gebiss:

Während Sie Kronenfragmente lediglich in Wasser lagern können, müssen herausgeschlagene bleibende Zähne möglichst rasch in eine zellphysiologische Umgebung eingebracht werden: Die empfindlichen Zellen auf der Wurzelober­fläche können nur während 24 bis 48 Stunden in einer Zahnrettungsbox überleben. 

Ist in der Sporthalle oder im Stadion keine Zahnrettungs­box verfügbar, kann kalte Milch oder das Einwickeln in Frischhaltefolie die Zeit während maximal 2 Stunden über­brücken. Sterile isotone Kochsalzlösung oder Ringer-Lactatlösung können das Überleben der Zellen während maximal 1 Stunde gewährleisten.

Tagsüber und an einem Arbeitstag dürfte dies ausreichen, damit später in der Zahnarztpraxis der Zahn in eine Zahnrettungsbox umgelagert und der Patient professionell versorgt werden kann. Beachten Sie unbedingt: Wasser oder Speichel sind kein geeigneter Ersatz. Die genannten Zellen sterben darin innerhalb von Minuten ab. 

Milchgebiss

Beim Milchgebiss ist die Behandlung von verunfallten Zähnen mit der Compliance des Kindes verbunden. 

  • In den meisten Fällen müssen stark wackelige, herausgeschlagene oder verschobene Zähne - wobei in der Regel der Frontbereich betroffen ist - extrahiert werden. Damit will man die Keime der bleibenden Zähne schützen. 

  • Bei Kronenfrakturen des Milchgebisses empfiehlt sich in der Regel eine abwartende Haltung, die das Abschleifen von scharfen Kanten beinhaltet. 

  • Bei einer Avulsion darf der Milchzahn nicht reponiert (in die richtige Position gebracht) werden. Dies vor allem, weil die Wurzeloberfläche typischerweise nekrotisch (Zellen sterben ab) wird und sich dann entzündet. 

Lesen Sie mehr zum Thema auch in unserem Blogbeitrag “Was tun bei einem Zahnunfall?”

Fazit

Das Tragen eines Mundschutzes beim Sport ist für die Zahngesundheit und damit das allgemeine Wohlbefinden Ihres Kindes äusserst wichtig. Es gibt verschiedene Arten von Mundschutz, die je nach individueller Situation mehr oder weniger geeignet sind. Essentiell ist auch, dass Sie im Falle eines Zahnunfalls schnell und korrekt vorgehen. 

Vereinbaren Sie gerne online oder telefonisch einen Termin bei uns. Unser Zahnarztteam kann dabei die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes beurteilen und die optimale Schutzmethode empfehlen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in einer Praxis in Ihrer Nähe!

1 Zahntrauma beim Sport, Prof. Dr. Andreas Filippi, Quintessenc Publishing Deutschland