Zahnschmerzen? Es könnte an einer Sinusitis liegen (oder: Wie Sie eine langwierige Diagnosefindung vermeiden können)
Sie haben Zahnschmerzen und auf den Röntgenbildern lässt sich einfach nicht erkennen, warum? Statt einer lästigen und langwierigen Untersuchung zur Diagnosefindung macht es Sinn zu fragen: Waren Sie in den letzten zwei Wochen erkältet?
Dr. Karoline Sagmeister, Zahnärztin in unserem Zentrum in Buchs erklärt im Beitrag, warum eine Sinusitis - beziehungsweise entzündete Kieferhöhlen - Zahnschmerzen verursachen können. Und was Sie dagegen tun können.
Wenn Sie und Ihr Zahnarzt über diesen Zusammenhang Bescheid wissen, sparen Sie sich unter Umständen lange Untersuchungen und unnötige Zahnbehandlungen.
Wie entdecken wir durch eine Kieferhöhlenentzündung verursachte Zahnschmerzen?
Wenn Patienten mit starken Zahnschmerzen die Praxis aufsuchen und Schmerzen vor allem im Oberkiefer beschreiben, mit einem Druckgefühl an den Backenzähnen, werde ich hellhörig. Insbesondere im Winter. Schmerzen vor allem beim Treppengehen oder bei gebückter Haltung sind weitere Indizien für eine Kieferhöhlenentzündung als Ursache.
Röntgenbilder geben nicht immer klar Aufschluss über entzündete Kiefernebenhöhlen. Zur Diagnose frage ich deshalb meine Patienten jeweils als erstes: Waren Sie in den letzten zwei Wochen erkältet? Lautet die Antwort "Ja", klopfe ich die Backenzähne im Oberkiefer ab. Diese reagieren empfindlich auf den Druck, falls eine Sinusitis vorliegt.
Was ist eine Sinusitis?
Sinusitis beschreibt eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, die mehrere Hohlräume im Kopf umfassen: darunter die Stirn-, Kiefer- und Siebbeinhöhlen. Es gibt verschiedene Arten der Sinusitis, darunter:
Akute Sinusitis: Häufig nach einer Erkältung oder Grippe, meist durch Viren verursacht. Nach zwei bis drei Wochen ist sie meist geheilt.
Chronische Sinusitis: Länger als 3 Monate anhaltende Entzündung. Bakterielle Infektionen oder Allergien verschärfen diese oft.
Mögliche Symptome sind unter anderem eine verstopfte oder laufende Nase, Druck in den Nebenhöhlen sowie Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl, besonders bei einer chronischen Sinusitis.
Wie verursacht Sinusitis Zahnschmerzen?
In Bezug auf Zahnschmerzen sind vor allem die Kieferhöhlen entscheidend: Diese befinden sich direkt unter den Wurzeln der oberen Zähne, insbesondere der Backenzähne.
Sind die Kieferhöhlen entzündet, schwellen die Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen an und es kann sich Schleim ansammeln. Dadurch entsteht Druck auf die Zahnwurzeln, was Schmerzen verursacht.
Typischerweise zeigen sich diese Schmerzen als dumpfes, pochendes oder ziehendes Gefühl im Oberkiefer. Oft sind sie auch mit anderen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Gesichtsschmerzen verbunden. Beim Bücken oder Drücken auf das Gesicht werden die Schmerzen gerne intensiver.
Behandlung
Zum Zeitpunkt wo die Patienten uns in der Praxis aufsuchen, ist der Schnupfen akut oder bereits vorbei - die Kieferhöhlenentzündung beziehungsweise Sinusitis besteht aber noch.
Sind andere Ursachen für die Zahnschmerzen aus zahnmedizinischer Sicht ausgeschlossen, empfehle ich zuerst mit Meersalz versehene abschwellende Nasentropfen. Ist die Sinusitis aber verschleppt und dauert bereits mehr als 2-3 Wochen, verweise ich den Patienten zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Ist die Entzündung bakteriell, verschreibt dieser in der Regel Cortisol-Nasenspray und Antibiotika.
Weitere Mittel gegen eine Sinusitis sind abschwellende Dampfbäder, ätherische Öle, Druckmassagen oder Inhalation mit Salzwasser.
Prävention
Um durch Sinusitis verursachte Zahnschmerzen vorzubeugen, beugen Sie eine Erkältung oder Grippe vor! Das heisst: Stärken Sie Ihr Immunsystem und reagieren Sie rasch bei Erkältungs- und Grippesymptomen.
Sorgen Sie für eine gute Durchlüftung der Nasennebenhöhlen, regelmässige Bewegung, eine vitaminreiche Ernährung und erholsamen Schlaf. Trinken Sie viel Flüssigkeit und waschen Sie sich die Hände gründlich. Vermeiden Sie auch Rauch und andere Schadstoffe, die die Nasennebenhöhlen reizen können.
PS: Eine Kieferhöhlenentzündung kann auch von den Zähnen herrühren
Dazu kann es insbesondere bei 3 Szenarien kommen:
Entzündete Implantate: Aus unbekannten Gründen kann es sein, dass sich das Gewebe rund um ein Implantat entzündet und sich die Entzündung bis zu den Kiefernebenhöhlen ausbreitet. Es gilt, so schnell wie möglich zu reagieren - das heisst den Entzündungsherd zu minimieren beziehungsweise zu behandeln.
Zahnextraktion, insbesondere eines Backenzahns: Backenzähne sind, wie erwähnt, eng mit der Kieferhöhle verbunden. Ragen die Wurzeln bis in die Kieferhöhle, kann es sein, dass durch die Entfernung des Zahnes eine sogenannte Mund-Antrum-Verbindung (MAV) entsteht. Dieses gilt es danach sehr gut zu vernähen, um eine Kieferhöhlenentzündung zu verhindern.
Entzündung an einer Wurzelspitze (apikale Parodontitis): Ist der Zahn nahe an den Kieferhöhlen, kann die Entzündung auf die Kieferhöhle übergehen. In diesem Fall ist eine Wurzelbehandlung angesagt.
Fazit
Sinusitis, beziehungsweise eine Entzündung der Kieferhöhlen, ist eine häufige Ursache für Zahnschmerzen im Oberkiefer. Dabei üben die geschwollenen Schleimhäute und Schleim Druck auf die Zahnwurzeln aus. Die Behandlung der Sinusitis führt in der Regel auch zur Linderung der Zahnschmerzen. Halten die Schmerzen an, sollten Sie jedoch weitere zahnärztliche Untersuchungen unternehmen - um andere Ursachen auszuschliessen.
Haben Sie Fragen hierzu oder wünschen Sie eine individuelle Beratung? Wir freuen uns auf Ihren Besuch in einem unserer schweizweit 42 Standorte.