Läuft es Ihnen manchmal auch kalt über den Rücken wenn Sie die Packungsbeilage eines Medikamentes lesen? Wenn zum Beispiel vor Thrombose, Unfruchtbarkeit oder Haarausfall gewarnt wird? Zum Glück treten die meisten der sehr abenteuerlich klingenden Nebenwirkungen nur selten auf. Der Nebenwirkung von Medikamenten, die aber am häufigsten eintritt, schenken die wenigsten Personen Aufmerksamkeit: Mundtrockenheit. Diese kann nicht nur unangenehmen Mundgeruch verursachen, sondern auch ziemlich schwerwiegende Zahnprobleme.

Was können Sie tun gegen Mundtrockenheit und dessen Folgen? Und welche weiteren Zusammenhänge gibt es zwischen der allgemeinen Gesundheit, Medikamenten und der Zahngesundheit? Erfahren Sie es hier:

Medikamente und Mundtrockenheit

Viele Medikamente verursachen – über Nerven und Hormone –, dass unsere Mundspeicheldrüsen keinen Speichel mehr produzieren. Anstatt wie normalerweise eineinhalb Liter pro Tag zu produzieren, wird der Mund deshalb trocken. Das hat zur Folge, dass die Verdauung nicht einsetzt und Bakterien nicht weggespült werden. Das Risiko für Karies oder Parodontitis steigt entsprechend.

Welche Medikamente trocknen den Mund aus?

Antidepressiva und Magen-Darm-Mittel (etwa gegen Übelkeit, Erbrechen) trocknen den Mund aus. Mundtrockenheit verursachen auch Psychopharmaka , Schmerzmittel und Antihistaminika (Mittel gegen Allergien) sowie Mittel, die den Blutdruck senken, bei Parkinson helfen oder Muskel-Verkrampfungen lösen.

Was können Sie dagegen tun?

  • Mundhygiene: Die Zähne sind vielen Bakterien schutzlos ausgeliefert wenn wenig Speichel fliesst. Deshalb ist eine gute Mundhygiene besonders wichtig, um Karies und Parodontitis vorzubeugen. Putzen Sie zweimal täglich die Zähne und benutzen Sie einmal pro Woche Fluoridgel. Natürlich ist es nun noch wichtiger als üblicherweise, dass Sie Ihre Zähne regelmässig vom Zahnarzt kontrollieren lassen.
  • Kauen: Kauen regt den Speichelfluss an. Das erleichtert das Schlucken, das durch den trockenen Mund erschwert ist.
  • Trinken: Trinken Sie viel Wasser oder Tee ohne Zucker. Das hilft, den Mund auszuspülen und ihn feucht zu halten.
  • Kaugummis oder Bonbons: Kaugummis oder Bonbons regen den Speichelfluss ebenfalls an. Verwenden Sie Kaugummis mit Xylit als Zuckerersatz, dieser hat einen antibakteriellen Effekt.
  • Nicht Rauchen: Rauchen trocknet den Mund aus (siehe unten).

Weitere Folgen von Medikamenten für die Zahngesundheit

Mundtrockenheit ist nicht die einzige mögliche Nebenwirkung von Medikamenten auf die Zahngesundheit. Medikamente können auch zu Zahnfleischblutungen, Aphthen, einem Brennen im Mund, Taubheitsgefühl, Veränderungen des Geschmacks oder Verfärbungen der Zunge führen.

Weitere Ursachen von Mundtrockenheit: Stress und Lampenfieber, Rauchen und Schnarchen

Gleichzeitig sind Medikamente nicht der einzige mögliche Grund für Mundtrockenheit. Die Adrenalin-Ausschüttung bei Stress oder Lampenfieber beispielsweise trocknet ebenfalls oft den Mund aus: Sprechen und Schlucken wird zur Qual oder von einem Brennen begleitet oder der Geschmackssinn wird beeinträchtigt.

Zu Mundtrockenheit können auch folgende Situationen führen: Flüssigkeitsmangel, trockene Luft, Mundatmung, Schnarchen, Rauchen, Tumore bei den Speicheldrüsen, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (besonders Diabetes mellitus), Sialadenose (geschwollene Speicheldrüsen mit vermindertem Speichelfluss), Sialadenitis (Entzündung der Speicheldrüsen), Bestrahlungstherapien, und Diabetes insipidus (häufiges Wasserlassen mit Mundtrockenheit).

Die Intensität der Speichelproduktion ist aber auch ganz einfach vom Alter (Änderung des Stoffwechsels) und der Psyche abhängig.

Krankheiten und die Mundgesundheit

Wussten Sie, dass die Gesundheit des Mundes ganz generell mit jener des Körpers zusammenhängt? Parodontitis kann Herzinfarkte oder Schlaganfälle* begünstigen. Auch die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, steigt. Ursache und Wirkung können hier allerdings in beide Richtungen gehen – Diabetes kann also auch Parodontitis auslösen. HIV oder dessen Therapie wiederum kommen oft mit Erkrankungen der Mundhöhle einher – beispielsweise Soor (eine Pilzinfektion), orale Haarleukoplakie (an den seitlichen Zungenrändern entstehen weissliche Streifen), Aphthen, Zahnfleisch-Entzündungen oder Herpes. Seltener treten das Kaposi-Sarkom (braun-bläuliche Tumorknoten an den Schleimhäuten) oder ein Lymphom (Tumor bei den Lymphen) auf.

Achten Sie deshalb nicht nur bei der Einnahme von Medikamenten ganz besonders auf eine gute Mundhygiene und eine gute Betreuung durch Ihren Zahnarzt, sondern auch bei Diabetes oder HIV.

*Die Bakterien, die bei der Parodontitis vorhanden sind, führen – nach Streuung in andere Organe – an den Gefässwänden zu kleinen Verletzungen und Entzündungen. Durch die Reparaturvorgänge verdicken sich die Gefässwände, was bis zu einem Infarkt führen kann.