Haben Sie als Kind zwei, drei oder noch mehr «Löcher bohren» müssen? Wenn Ja, waren Sie nicht allein: Des Öfteren Karies zu haben, war früher ganz normal für Schweizer Kinder. Zürcher Schüler beispielsweise hatten 1964 im Schnitt rund 12 kariöse Zähne. Knapp 50 Jahre später waren es noch 1,3 Zähne. Ein Kariesrückgang also um 90 Prozent.

Was ist der Grund für diese Entwicklung? In erster Linie das Zähneputzen mit Fluorid-Zahnpaste, in zweiter Linie das fluoridierte Salz. Doch was ist mit der Behauptung, Fluorid sei giftig? Und wie wirkt Fluorid eigentlich, wie geht man richtig damit um? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Ist Fluorid giftig?

Fluoride sind ein natürlicher Bestandteil unserer Zähne und Knochen. Sie sind also keine Fremdstoffe. Trotzdem gibt es Stimmen, die den Einsatz von Fluoriden in der Kariesvorbeugung kritisieren. Die Warnung vor einer möglichen «Fluoridvergiftung» verunsichert deshalb viele.

Richtig ist: Fluoridvergiftungen kommen praktisch nie vor. Ein fünfjähriges Kind, das rund zwanzig Kilo wiegt, müsste den kompletten Inhalt einer Erwachsenen-Zahnpastentube aufessen, um Vergiftungserscheinungen zu zeigen – im allerschlimmsten Fall. Das zeigt das deutsche Verbrauchermagazin Stiftung Warentest auf. «Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist», sagte der berühmte Arzt und Wissenschaftler Paracelsus einst. Dieser Leitsatz gilt also auch hier.

Zahnpaste mit Fluorid auf Zahnbürste inklusive Tube

Heute gängige Zahnpasten enthalten wegen ihrer guten Wirkung Fluorid.

Nimmt man zu viel Fluorid ein, kann es allerdings zu einer sogenannten Fluorose kommen. Sie ist sichtbar als kreidig-weisse Flecken auf den Zähnen – sogenannte «mottled teeth». Kinderzahnpasta enthält deshalb deutlich weniger Fluorid als jene für Erwachsene. Wobei man wissen sollte, dass viele Kinder auch ohne eine zu hohe Fluoridzufuhr weisse Stellen an den Zähnen  bekommen können. Weshalb das so ist, ist allerdings noch nicht bekannt.

Wie kann ich Fluorid zu Hause aufnehmen?

Wegen ihrer guten Wirkung enthalten die gängigen Zahnpasten heute Fluorid. Nachhaltig positiv wirkt auch Fluoridgel, das man aufgrund der hohen Fluoridkonzentration  in der Apotheke erhält. Idealerweise sollte man sich damit ab dem sechsten Lebensjahr einmal pro Woche die Zähne putzen.

Auch Mundspülungen sind eine zuverlässige Fluoridquelle. Sie bieten sich bei Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko an. Zum Beispiel bei einer festen Zahnspange, bei angeborenen oder erworbenen Schmelzdefekten und wenn die Mundpflege nur eingeschränkt möglich ist.

Auch fluoridiertes Speisesalz bietet sich an. Beim Verzehr wird das Fluorid an den Zahnschmelz abgegeben. Unser Köper kann allerdings nicht beliebig viel Fluorid aufnehmen. Noch mehr Salz essen hilft also nicht.

Wie setzt der Zahnarzt Fluoride ein?

Mittels spezieller Lacke, die der Zahnarzt auf den Zahn pinselt, lassen sich Fluoride über längere Zeit mit dem Zahn verbinden. Die Fluoride wandern dabei tief in den Schmelz (der sichtbare Teil des Zahnes).

Einerseits kommen Fluoride bei kariesgefährdeten Zähnen zum Einsatz – etwa wenn der Schmelz schon stark porös ist. Andererseits bei freiliegenden und empfindlichen Zahnhälsen: Denn das Dentin beziehungsweise das Zahnbein reagiert durch eine Fluoridierung weniger sensibel.

Wie wirken Fluoride?

Um die Wirkung der Fluoride zu verstehen, ist es hilfreich zu wissen, wie Karies entsteht. Beginnen wir mit dem Zahnschmelz: Dieser wird durch ein Kristallgitter aus Hydroxylapatit mit Magnesium, Natrium, Kalium und anderen eingelagerten anorganischen Stoffen gebildet. Säuren (die in der Nahrung vorkommen oder von Bakterien gebildet werden) lösen diese Stoffe aus dem Zahnschmelz heraus. Das Gitter wird porös und Karies entsteht.

Indem Fluoride gegen diesen Zahnzerstörungsprozess entgegenwirken, beugen sie Karies vor. Hauptsächlich sind dabei vier Mechanismen im Spiel:

  • Fluoride fördern die Remineralisation des Zahnschmelzes (Einlagerung von Kalziumphosphaten). Bakterien haben so weniger Zeit, Schwachstellen im Schmelz zu nutzen.
  • Fluoride werden auch selbst in den Zahnschmelz eingelagert. Ist die Demineralisation durch Säuren entstanden, können sie Schwachstellen im Schmelz direkt auffüllen.
  • Fluoride, die über Zahnpasta oder Gel auf die Zähne gelangen, bilden eine schützende Schicht aus Kalziumfluorid um die Zähne. Diese Schicht neutralisiert Säuren ebenfalls direkt, sodass der Zahnschmelz intakt bleibt.
  • Fluoride dringen in die Bakterien ein und stören ihren Stoffwechsel. Der Vorteil davon: Die Säureproduktion wird gehemmt.