Brechen bei einem Baby die ersten Zähnchen aus dem Kiefer in die Mundhöhle durch, nennen wir das Zahnen. Mit ungefähr fünf Monaten schaut der erste Schneidezahn hervor, nach knapp zwei Jahren der letzte Backenzahn.

Während sich bei manchen Babys die ersten Zähnchen schmerzlos ihren Weg bahnen, werden andere von Schmerzen geplagt. Als Eltern leidet man mit dem Baby mit und möchte ihm die Situation erleichtern, wenn es vor Schmerzen stundenlang weint. Selbst kuscheln, streicheln oder die Wangen massieren trösten das Baby jedoch oft nicht.

Die Symptome des Zahnens

Damit man versteht, was hilft und was nicht, ist es gut, zu wissen, warum das Baby welche Schmerzen hat. Folgende Begleiterscheinungen können beim Zahnen auftreten:

  • Fieber und Durchfall: In der ersten Phase des Zahndurchbruchs machen viele Babys ihre ersten Infektionen durch, weil das Immunsystem während dieser Zeit herabgesetzt ist. So treffen Fieber oder Durchfall mit dem Zahnen zusammen, auch wenn es keine direkte Folge davon ist. Zusätzlich wird während dieser Zeit häufig die Ernährung  umgestellt – von der Mutter- oder Ersatzmilch auf feste Nahrung. Das ist für den Körper ebenfalls ungewohnt und kann die Situation noch verstärken.
  • Geschwollenes Zahnfleisch: Da sich die Milchzahnkrone durch das Zahnfleisch «kämpft», ist dieses geschwollen und gerötet. Bluten sollte es allerdings nicht.
  • Sabbern: Das Baby spürt, dass Druck auf dem Gebiet den Schmerz lindert. Deshalb steckt es Gegenstände oder die eigenen Hände in den Mund, um darauf herumzukauen. Diese «Reize» verstärken die Speichelbildung, so dass das Baby vermehrt sabbert und Mund wie Mundwinkel wund werden und austrocknen. Waschen Sie die Region mit warmen Wasser und reiben Sie die Haut mit Vaseline ein. Das hilft die Haut zu schützen. Sollte sich aber ein regelrechter Ausschlag bilden, sollten Sie diesen beim Kinderarzt abklären lassen. Hier sind oft andere Ursachen verantwortlich.
  • Vermeintliche Appetitlosigkeit: «Lutschen» lindert aber nicht nur den Schmerz, es lässt auch das Blut stärker ins geschwollene Zahnfleisch fliessen und macht es empfindlicher. Deswegen verweigern manche Babys die Brust oder Flasche während des Zahnens. Eltern interpretieren das als Appetitlosigkeit.
  • Vermeintliche Ohrenentzündung: Eltern verwechseln in dieser Zeit Ohrenentzündungen häufig mit Zahnungsschmerzen. Manche Babys reiben sich zwar das Ohr in der Gesichtshälfte, in welcher der Zahn durchbricht. Ohrenschmerzen an sich sind jedoch keine Folge des Zahnes. Ist das Baby aufgebracht, unruhig und fiebrig, sollten Sie den Kinderarzt aufsuchen.
  • Mundgeruch hat immer bakterielle Ursachen und sollte beim ersten Zahnen nicht entstehen. Später, im Schulalter, wenn der Zahnwechsel ansteht, kann es durchaus dazugehören: Wenn die Milchzähne stark gelockert sind und die bleibenden Zähne durchbrechen, bleiben zum Teil Speisereste in den Nischen hängen. Das kann Mundgeruch verursachen. Hat sich der Zahn in die Zahnreihe eingestellt, lässt er sich besser pflegen.

Was hilft – und was nicht

  • Zuckerfreie, kühlende Zahngels, die Sie in der Apotheke oder Drogerie beziehen können, helfen sehr gut:
    • Zahngels auf pflanzlicher Basis: Sind die Schmerzen nicht ganz so stark, können Sie beispielsweise das Osa-Pflanzen-Zahngel auf dem Zahnfleisch des Kindes verreiben. Das darin enthaltene Kamillen-, Nelken-, Salbei- und Pfefferminzöl sowie die Propolis-Tinktur hemmen die Entzündung und kühlen die geplagten Stelle sehr angenehm.
    • Zahngels mit lokal betäubenden Zusätzen: Bei ausgeprägten Beschwerden lindert das Osa-Zahngel mit Betäubungsmittel noch intensiver und schneller. Streichen Sie es auf die geschwollenen Stellen im Mund auf. Manche Eltern bevorzugen zusätzlich Globuli (zum Beispiel Osanit).
  • Beissringe sind ebenfalls empfehlenswert. Durch Gegendruck massieren sie das Zahnfleisch und wirken schmerzlindernd, wenn man sie vorher gekühlt hat
  • Schmerzzäpfchen und Schmerzsaft: Hilft alles nichts und fiebert das Kind, können Sie Ihm auch Schmerzzäpfchen und -saft geben. Wenden Sie sich an einen Kinderarzt, damit er die Dosierung, die dem Gewicht entspricht, herausfinden kann.
  • Gekühlte Speisen sind für das Baby während dem Zahnen angenehmer als warme Nahrungsmittel. Geben Sie ihm also statt einen warmen Brei ein gekühltes Apfelkompott, eine kalte weiche Banane oder gekühltes Joghurt. Ab dem 6. Monat kann auch das Knabbern an einer Brotrinde oder einem gekühlten, geschälten Rüebli oder Apfelschnitz Abhilfe schaffen. Bitte verwenden Sie nur grosse Stücke und beobachten Sie Ihr Kind, damit es sich nicht verschluckt.
  • Bernsteinketten: Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die beweisen, dass Bernsteinketten beim Zahnen hülfen oder den Schmerz linderten. Aus diesem Grund werden sie von Zahnärzten nicht empfohlen. Dennoch sind viele Hebammen und Mütter aufgrund der ätherischen Öle im Bernstein überzeugt, dass sie die Blutzirkulation positiv beeinflussen und eine beruhigende Wirkung haben. Falls Sie eine Bernsteinkette für Ihr Baby kaufen wollen, sollten Sie dies in einem Babygeschäft tun. Die Kette darf keine Bruchstelle haben und muss reissfest sein, damit sich das Baby nicht strangulieren kann.

Wie lange dauern die Schmerzen beim Zahnen an?

Jedes Kind reagiert anders auf das Zahnen. Meistens treten die starken Beschwerden nur wenige Tage während des Durchbruchs durch die Schleimhaut auf. Das Herauswachsen ist dann schmerzfrei. Die anfänglichen Beschwerden können aber bei jedem Zähnchen von Neuem auftreten. Beschleunigen lässt sich das Zahnen leider nicht. Weder der Beginn des Zahndurchbruchs noch die Geschwindigkeit lassen sich beeinflussen.

 


Diese interaktive Grafik illustriert sehr schön, wann welche Zähne durchbrechen. Wie man mit Kindern die Zähne richtig putzt, lesen Sie in diesem Blogbeitrag. Warum man die Milchzähne reinigen soll, obwohl sie sowieso ausfallen, erklären wir hier.  Und falls das Mutterglück bald bevorsteht, haben wir Tipps, auf was Sie bei Ihren Zähnen während der Schwangerschaft achten sollten. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Baby eine möglichst schmerz- und stressfreie Zeit und sind bei weiteren Fragen gerne für Sie da!