16.10.2020

Was sich durch Corona beim Zahnarzt geändert hat

Von zu kleinen Handschuhen und abgeschafftem Händeschütteln. Susann Lorani ist Zahnärztin und COO bei zahnarztzentrum.ch. Sie erzählt Im Interview, was sich bei zahnarztzentrum.ch seit Corona-Ausbruch geändert hat: Im Behandlungsraum und Wartezimmer, für Patienten und Mitarbeiter. Und sie beantwortet die Frage, ob man mit einer Erkältung zum Zahnarzt darf.

Susann Lorani, die Corona-Ansteckungen nehmen wieder zu in der Schweiz. Haben Sie keine Angst, dass zahnarztzentrum.ch mit ihren Standorten negativ in die Schlagzeilen gerät wegen einer Ansteckung?

Susann Lorani: Eine Garantie können wir, wie jedermann, keine geben. Ich habe jedoch keine Angst und spüre auch keine bei den Mitarbeitern. Wir haben ein Schutzkonzept bei zahnarztzentrum.ch, worin wir uns an die Vorgaben des BAG und der Kantonsärzte halten. Die Richtlinien setzen wir ganz streng um. Seit Corona-Ausbruch hat es bei uns denn auch noch keine Ansteckungen zwischen Patienten und Mitarbeiter gegeben!

Die Regelungen der Behörden ändern sich ständig – können Sie und Ihre Mitarbeiter überhaupt so rasch reagieren?

Gibt es eine Neuerung in den Richtlinien, haben unsere Zentren spätestens am Abend oder dem nächsten Tag die neusten Anweisungen. Unsere Mitarbeiter sind sich daran schon gewohnt. Im E-Mail Betreff steht jeweils "Zu beachten ab sofort".

Woran haben sich Patienten und Mitarbeiter denn zu halten?

Das Schutzkonzept umfasst drei Seiten. Wichtig ist aber sicher: Man muss Maske tragen, Hände waschen und desinfizieren bevor man die Praxis betritt, im Wartezimmer eineinhalb Meter Abstand halten. Noch am Telefon oder etwas entfernt vor dem Empfang führen wir eine Anamnese durch. Wir fragen die Patienten, ob sie Covid-19-Symptome haben: Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, trockenen Husten, Fieber oder Halsschmerzen.

Ist dies der Fall oder war jemand erst gerade in Quarantäne, verschieben wir den Termin um eine Woche und stellen davor die Fragen nochmals telefonisch. Bei Patienten mit leichten Erkältungssymptomen – etwa leicht rinnender Nase, leichten Halsschmerzen oder mal Niesen – messen wir erst Fieber.

Bei Schnupfen und Niesen kann ich also trotzdem in die Praxis kommen?

Wenn es dabei bleibt, unbedingt. Wir überlegen uns immer, wie hoch das Ansteckungsrisiko ist und wie hoch der Schaden, wenn wir die Zähne nicht behandeln. Bei akuten Problemen können zwei Wochen Warten verheerend sein.

Sonst lässt sich der Termin unter Umständen verschieben – wobei ein halbes Jahr oder länger Warten wiederum seine Folgen hat. Dentalhygiene oder Zahnkontrolle sollten nach wie vor regelmässig durchgeführt werden. Wer sich unsicher ist, kann natürlich immer anrufen.

Was ist, wenn ich nun tatsächlich Corona habe und meine Zähne schmerzen?

Es gibt eine kantonale Anlaufstelle, wo Notfälle immer zahnbehandelt werden. Unsere Mitarbeiter wissen an jedem Standort, wo diese Anlaufstelle ist, und informieren den Patienten.

"Gibt es eine Neuerung in den Richtlinien, haben unsere Zentren spätestens am Abend oder dem nächsten Tag die neusten Anweisungen", Susann Lorani, Zahnärztin und COO zahnarztzentrum.ch

Wie läuft die Behandlung an sich ab – Zahnarzt und Dentalhygieniker arbeiten ja sehr nahe am Mund!

Der Behandler trägt stets eine Schutzmaske. Der Patient aber nimmt diese ab, sobald er auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Das Risiko, sich anzustecken, ist entsprechend für den Behandler höher als für den Patienten! Der Patient spült vor der Behandlung deshalb stets mit antiseptischen und antiviralen Mundspüllösungen. Wobei dies schon vor Corona so war. Wir lüften die Behandlungsräume permanent. Belüftungssysteme, die stets Frischluft zuführen, hatten wir allerdings ebenfalls schon vor Corona in allen Behandlungszimmern.

Bezüglich Behandlung hat sich durch Corona also gar nicht so viel geändert. Neu ist, dass nach Behandlungen, in denen viele Aerosole generiert werden, 15 Minuten gewartet werden muss bis zur nächsten Behandlung. Also etwa beim Bohren mit Ultraschall oder bei der Zahnreinigung. Gestrichen haben wir den Satz in unserem Handbuch, dass man die Patienten mit Händeschütteln begrüssen muss. Es bleibt beim freundlichen Lächeln.

Wie gehen Sie mit Risikopatienten um?

Für Patienten mit schweren Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, die Medikamente nehmen oder schwanger sind, gibt es besondere Bestimmungen. Auch hier muss man sich immer gut überlegen, was das Ansteckungsrisiko ist beziehungsweise der Schaden ohne Behandlung wäre.

Risikopatienten behandeln wir möglichst zu Randzeiten, das heisst wenn wenig los ist. Und wir setzen den Patienten möglichst direkt im Behandlungszimmer, so dass der Patient gar nicht erst lange im Wartezimmer verweilen muss. Bei Schwangeren versucht man sowieso, nicht dringende Zahnbehandlungen möglichst zu vermeiden.

Wie gehen Mitarbeiter vor, die Kontakt mit einer Person hatten, die positiv auf Covid getestet wurde?

Sie müssen sich testen lassen und dürfen erst zur Arbeit kommen wenn das Testresultat negativ ausgefallen ist.

In der Schweiz waren zwischendurch die Masken knapp. Konnten Sie stets alle Ihre Standorte mit dem korrekten Hygienematerial ausstatten?

Wir haben und hatten immer genug. Wobei wir aber teilweise wirklich fest suchen mussten, um an das nötige Material zu kommen. Bereits im Februar waren die Masken schwierig zu kriegen. Dann war es das Desinfektionsmittel. Dieses liessen wir dann über Apotheker anmischen. Gerade haben wir zu wenig Handschuhe in Grösse L. Mitarbeiter mit grossen Händen zwängen sich also zurzeit in etwas kleine Handschuhe.

Grundsätzlich haben sich unsere Zentren jedoch gegenseitig aushelfen können, wenn ein Produkt kurzfristig nicht lieferbar ist. Auch haben wir 700 Mitarbeiter, die alle ihre Kontakte haben. Irgendwie hat es schlussendlich dann immer geklappt.

Ist sonst im Moment Normalbetrieb?

Es war aufregend und es ist es noch. Im März und April mussten wir ja aufgrund behördlicher Auflagen schliessen. Nur Notfälle wurden behandelt. Im Moment ist aber Normalbetrieb, wir haben die übliche Anzahl an Patienten! Und unsere Mitarbeiter haben Freude an der Arbeit – das sieht man am Engagement und das merken unsere Patienten.

Das Interview führte Rahel Landolt, Redaktorin zahnarztzentrum.ch