Müssen Sie Weisheitszähne, die (noch) nicht oder nur teilweise sichtbar sind, ziehen lassen? In der Regel gilt: Solche (teil-)retinierten Weisheitszähne belässt man dann im Kiefer, wenn ein erhöhtes Risiko für eine Nervverletzung oder für Komplikationen (etwa aufgrund bestehender Allgemeinerkrankungen) besteht.

In den meisten Fällen müssen (teil-)retinierte Weisheitszähne jedoch gezogen werden. Dies, weil eitrige Schwellungen – sogenannte Abszesse – entstehen können. Abszesse sind nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch gefährlicher, als die meisten Menschen annehmen.

Warum sind Weisheitszähne nicht immer sichtbar?

Ungefähr vier von fünf Erwachsenen haben mindestens einen retinierten Weisheitszahn. Retiniert bedeutet, dass die Zähne nicht zum üblichen Zeitpunkt in die Mundhöhle durchbrechen.

Meistens ist dies der Fall weil es im Kiefer zu wenig Platz für den Zahn gibt. Oder auch weil sich der Zahn in eine Position verlagert hat, die keinen Durchbruch mehr erlaubt.

Mögliche Folgen (teil-)retinierter Weisheitszähne:

Teilweise oder gänzlich retinierte Weisheitszähne können zu Perikoronotis und nachfolgend zu Abszessen führen. Weitere mögliche Folgen sind Zysten, Karies oder ein Abbau der Nachbarzähne.

  • Perikoronitis: Infektion im Zahnfleisch rund um die Krone eines teilretinierten Zahnes. Dies kommt häufig vor, da sich die nur teilweise sichtbare Zahnkrone schlecht putzen lässt. Rund um die Zahnkrone sammelt sich dabei Plaque an und es entstehen Schmutznischen (Zahnfleischtaschen).
    • Symptome: Gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch (wobei die Schwellung den teilretinierten Zahn eventuell teils überdeckt).
    • Therapie: Die Taschen müssen gesäubert und entfernt werden. Eventuell wird in einem zweiten Schritt der Zahn entfernt.
  • Abszess: Eitrige Schwellung, die auf eine unbehandelte Perikoronitis folgen kann.
    • Symptome: Oft plötzliche und rasche Anschwellung der Wange. Unter Umständen eingeschränkte Mundöffnung.
    • Therapie: Mithilfe eines Einschnitts wird die Tasche geöffnet und dann eine Drainage durchgeführt. Eventuell muss der Patient Antibiotika einnehmen und der Zahn nach Abklingen der Infektion (5 bis 14 Tage) gezogen werden.
  • Logenabszess: Ein unbehandelter Abszess kann sich weiter ausbreiten – zu einem „Logenabszess“ und zu lebensbedrohlichen Infektionen führen.
    • Symptome: Zusätzliche Schluckbeschwerden, Fieber, Verminderung des Allgemeinzustands (weniger Energie, geschwächtes Immunsystem, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeit etc.)
    • Therapie: Der Logenabszess muss sofort und unter Narkose behandelt werden. Der Patient nimmt Antibiotika und der Zahn muss nach Abklingen des Abszesses entfernt werden.

Fazit: Was tun bei einem Abszess?

Falls Sie (teil-)retinierte Weisheitszähne haben, empfehlen wir Ihnen, sich beim Auftreten von Schmerzen beim Zahnarzt zu melden. Spätestens aber bei einer Wangenschwellung – da sich ein Abszess zu einem lebensbedrohlichen Logenabszess entwickeln kann. Auch die jährlichen Kontrollen beim Zahnarzt sind sehr wichtig: Zur Früherkennung und um Schmerzen zu verhindern.

Generelles zur Weisheitszahnentfernung:

Ob (teil-)retiniert oder sichtbar: Fast alle Weisheitszähne müssen früher oder später entfernt werden. Entweder wegen akuter Beschwerden oder zur Vorbeugung. Grundsätzlich ist es besser, sie eher früher als später zu entfernen. Denn vollständig ausgebildete Wurzeln – meist im Alter von 25 Jahren – liegen nahe am „Unterkiefernerv“ (Nervus alveolaris inferior). Ausserdem können sich die Wurzeln während des Wachstums um den Nerv schlingen. Dies erhöht das Risiko, dass während der Weisheitszahnentfernung ein Nerv verletzt wird. Mit dem Alter mehren sich auch die postoperativen Komplikationen. Beispielsweise verschlechtert sich die Wundheilung, und das Risiko für Infektionen steigt. Lesen Sie zur Weisheitszahnentfernung auch diesen Blogbeitrag.

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