Als Kleinkind, Teenager oder Erwachsener? Viele Personen fragen sich, wann der beste Zeitpunkt für eine Zahnspange ist. Worauf der Zahnarzt in der entsprechenden Diagnostik achtet und was die grundlegenden Regeln sind, erfahren Sie hier.

Entscheidend sind Zahn- und Kieferstellung

Prinzipiell ist eine Zahnkorrektur mit nur wenigen Einschränkungen in jedem Alter – vom Kleinkind- bis ins hohe Erwachsenenalter – möglich. Das Ziel bei der Wahl des Therapiebeginns ist immer eine möglichst kurze Behandlungsdauer mit dauerhaft stabilem Ergebnis.

Es gibt eine Handvoll Grundvoraussetzungen für eine kieferorthopädische Therapie:

  • möglichst kariesfreies Gebiss
  • gute Mundhygiene
  • gesundes Zahnfleisch
  • gesunder Zahnhalteapparat
  • gute Mitarbeit des Patienten.

Über den geeigneten Zeitpunkt beziehungsweise das Alter des Patienten lassen sich allerdings – wie so oft in der Medizin – nur eingeschränkt pauschale Angaben machen.

Entscheidender als das tatsächliche Alter ist die vorliegende Zahn- und Kieferfehlstellung und die noch zu erwartende Änderung durch das ausstehende Wachstum. Um dies beurteilen zu können, ist eine genaue Untersuchung und Diagnostik notwendig.

Frühbehandlung

Der Zahnwechsel kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen. Durchbruchszeiten der Zähne zwischen eineinhalb bis zwei Jahren sind als normal anzusehen. Manchmal findet der Zahndurchbruch auch früher oder später statt.

Der Stand des Zahnwechsels ist also in die Überlegungen über den Behandlungsbeginn miteinzubeziehen, verbunden mit weiteren Faktoren wie etwa massiven Gebissanomalien und Zahnfehlstellungen. Letztere zeigen sich im Milchgebiss deutlich seltener als im Wechsel- oder im permanenten Gebiss. Wenn möglich sollten sie aber zu einem sehr frühen Zeitpunkt therapiert werden. Bei einem Vorbiss, einem Überbiss von mehreren Millimetern oder einem Kreuzbiss können Frühbehandlungen (bereits ab vier Jahren) angezeigt sein.

Mit dem Zahnwechsel entstehen manchmal neue Anomalien, oder bisher nicht therapiewürdige Anomalien verschlimmern sich. Bei extrem ausgeprägten Fehlstellungen liegt der geeignete Startpunkt in der frühen Phase des Wechselgebisses (ungefähr sechs bis neun Jahre). Also dann, wenn die ersten bleibenden Zähne durchbrechen – der erste grosse Backenzahn sowie die mittleren und seitlichen Schneidezähne.

Reguläre Behandlung

Abgesehen von diesen massiven Fehlstellungen beginnen kieferorthopädische Behandlungen üblicherweise in der späten Phase des Zahnwechsels. Dann brechen die kleinen Backenzähne und die Eckzähne durch (circa neun bis zehn Jahre).

Weil der Gesichtsschädel nun schneller wächst, können Kieferorthopäden in dieser Phase grossen Einfluss auf Fehlstellungen der Kieferknochen nehmen. Mit herausnehmbaren Spangen oder funktionskieferorthopädischen Apparaturen können solche Missverhältnisse der Schädelknochen oft sehr gut ausgeglichen werden. Sie können auch die Basis bereiten für eine allenfalls später noch notwendig werdende schnellere Zahnfehlstellungs-Korrektur mittels festsitzender Apparaturen.

Mädchen (circa mit 13) und Jungen (circa mit 15 Jahren) erreichen ihr maximales Körperwachstum in der Pubertät. In diesem Alter werden Zahnfehlstellungen häufig mit festsitzenden Apparaturen korrigiert. Damit kann der gesamte Zahn (Zahnkrone und -wurzel) bewegt und Feinkorrekturen können vorgenommen werden.

Erwachsenenbehandlung

Doch auch nach Wachstumsabschluss sind Korrekturen von Zahnfehlstellungen möglich und oft sinnvoll. Zähne können sich ein Leben lang verschieben, wobei die Backenzähne dazu tendieren, sich nach vorne zu bewegen. Bei den Schneidezähnen kann es so zu Engständen kommen, die sowohl funktionelle als auch ästhetische Beeinträchtigungen mit sich bringen.

Ästhetische Verbesserungen sind der Hauptgrund, warum sich heute mehr und mehr Erwachsene zu einer Zahnkorrektur entschliessen. Auch Menschen zwischen 40 bis 50 Jahren und älter werden häufig behandelt – mit festsitzenden Spangen oder durchsichtigen Schienen.

Wenige Faktoren stehen einer Zahnstellungskorrektur im Erwachsenenalter entgegen. Beispielsweise eine therapiebedürftige, akute Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates). Oder wenn Medikamente eingenommen werden, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen. Schliesslich gilt auch hier: Eine umfangreiche Diagnostik stellt die Basis der Therapieplanung dar.