Dreimal täglich zwei Minuten und die Zahnteufel bleiben fern. So haben es die meisten von uns als Kind gelernt. Das gilt auch weiterhin: Gegen Karies und andere Zahnprobleme kommt man am regelmässigen Zähneputzen nicht vorbei. Aber: Die wissenschaftlichen Beweise, dass eine gute Mundhygiene nicht alles ist, häufen sich.

Zähneputzen ist erst der Anfang

Forscher konnten nachweisen, dass sich die sogenannte orale Mikroflora bei Karies- und Parodontitispatienten verändert hat, bevor die Erkrankung aufgetreten ist. Doch was beeinflusst die Mundflora? Der eigene Lebensstil. Wer nicht an Karies und nicht an Parodontitis erkranken will, tut deshalb gut daran, sich vielseitig zu ernähren, möglichst stressfrei zu leben, auf Rauchen zu verzichten und sich viel zu bewegen. 

Moderne Zahnärzte klären ihre Patienten dementsprechend über die Bedeutung Ihres Lebensstils auf. Diesen zu verändern, fällt jedoch den meisten Menschen schwer. Ausser, sie leiden bereits an Parodontitis. In der Praxis dreht sich deshalb meist nach wie vor fast alles um die bewährte Karies- und Parodontitis-Prophylaxe: eine gute Mundhygiene, also primär das Zähneputzen.

Die schnelle (fast-)Lösung

Doch heisst es wirklich «alles oder nichts»? Nein! Sie können bereits einiges erreichen, wenn Sie nebst der täglichen Mundhygiene einige Tipps beachten.

Konsumieren Sie beispielsweise probiotische Lebensmittel (etwa Joghurt, Kefir, Apfelessig oder saure Gurken). Die darin enthaltenen Bakterien hemmen Keime, die sonst Karies und Parodontitis auslösen würden. Auch Vitamine, Mineralstoffe und sogenannte Antioxidantien sind wichtig für eine gute orale Mikroflora. (Eine Auflistung der in den Lebensmitteln enthaltenen Wirkstoffe finden Sie im letzten Abschnitt.)

So stellen Sie die Ernährung um

Wenn Sie Ihre Ernährung von Grund auf umstellen wollen, ist es sinnvoll, wenn ein Zahnarzt-Team Sie dabei begleitet. Wir können Ihnen Empfehlungen geben, die auf Ihre individuelle Mundflora abgestimmt sind. So gelingt die Umstellung:

  1. Vor der ersten Sitzung beobachtet der Patient über vier Tage sein Ernnährungsverhalten. Das ausgefüllte Ernährungsprotokoll schickt er uns zurück. Wir werten es aus und geben in der ersten Sitzung einfach umsetzbare Empfehlungen ab.
  2. Nach zwei bis drei Wochen folgt eine zweite Sitzung. Darin klären wir wichtige Fragen, bauen Wünsche und Änderungen in den Ernährungsplan ein.
  3. Nach drei Monaten folgt die dritte Sitzung, um zu schauen, wie der Patient mit allem zurechtkommt.

Zur täglichen Mundpflege und dem Ernährungsprotokoll empfiehlt es sich, Probiotika-Tabletten einzunehmen. Wichtig sind sie insbesondere für Parodontitispatienten, deren Gewebe nach abgeschlossener Erstbehandlung noch etwas entzündet ist.

Wirkstoffe für eine gute Mundflora:

  • Vitamin A: Für Haut und Schleimhäute von hoher Bedeutung.
    Besonders reich an Vitamin A sind Petersilie, Brokkoli, Spinat, Mangold, Aprikosen, Karotten, Sanddorn, Käse, Milch, Papaya, Sprossen.
  • Vitamin C: Wichtig bei der Produktion von Kollagen. Das ist ein Protein, das für gesunde Haut, Knochen, Knorpel, Zähne sowie Zahnfleisch sorgt und bei der Heilung von Wunden und Verbrennungen eine wichtige Rolle spielt. Es unterstützt die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Vitamin C beteiligt sich an Entgiftungsreaktionen in der Leber und ist ein wirksames Antioxidans, das das Immunsystem stärkt.
    Enthalten in: frischem Obst, Kartoffeln, Tomaten, Paprika, grünem Gemüse.
  • Vitamin E: Starkes Antioxidans. Es beeinflusst den Gesundheitszustand, schützt die Zellen und bewirkt eine erhöhte Durchblutung.
    Vitamin E kommt vor in Fisch, Eigelb, Fenchel, Spinat Grünkohl.
  • Vitamin B12: Wichtigste Funktionen sind die Bildung von roten Blutzellen und der Protein-StoffwechseI. Unterstützt Zellwachstum und Zellteilung sowie die Regeneration der Schleimhäute.
    Es kommt vor in Fleisch, Weizenkeimen, Eigelb, Fisch Milchprodukten.
  • Vitamin H (Biotin): Kann Entzündungen verhindern.
    Enthalten in Vollkornprodukten, Erdnüssen, Soja und Hefe.
  • Vitamin B5: Regeneriert die Zellen und ist an der Bildung von neuem Gewebe beteiligt.
    Enthalten in Weizenkeimen, dunkelgrünem Gemüse, Leber, Eigelb, Pilzen, Erdnüssen.
  • Kalzium: Sorgt zusammen mit Fluor und Phosphat für Aufbau und Stabilität von Knochen und Zähnen.
    Unentbehrlich zur Aufnahme von Kalzium sind Vitamin A, D und C. Wichtigste Lieferanten sind: Milch, Käse, Sesam, Aprikosen.
  • Magnesium: An Aufbau und Erhaltung von Skelettsystem und Zähnen beteiligt.
    Täglich eine Handvoll Nüsse oder Sonnenblumenkerne deckt den Bedarf an Magnesium.
  • Eisen: Voraussetzung für Vitalität und hohe Abwehrfähigkeit des Körpers.
    Enthalten in Fleisch, Hirse, dunklem Gemüse oder Brunnenkresse.
  • Kupfer: Wird für die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung benötigt.
    Ist enthalten in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Trockenobst und Hefe.
  • Zink: Bei vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Hat einen günstigen Einfluss auf die Wundheilung und das Zellwachstum und stärkt das Immunsystem.
    Große Mengen an Zink sind in Fleisch, Fisch, Schalentieren, Haferflocken, Milchprodukten, Eiern, Nüssen, Erbsen oder grünem Tee.