«Ist es schlimm, wenn Milchzähne Karies haben? Die Zähne fallen ja so oder so aus», werde ich hin und wieder von jungen Eltern gefragt. Ja, es ist schlimm. Aber warum müssen auch Milchzähne regelmässig gereinigt werden? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

1. Wichtig für das Wohlbefinden!

Alle Kinder brauchen gesunde Zähne zum Kauen, Sprechen und Lachen. Somit sind sie wichtig für die körperliche und psychosoziale Entwicklung der Kinder. Besonders aber sind gesunde Milchzähne die beste Voraussetzung dafür, dass auch die späteren Zähne gesund sind.

2. Milchzähne sind besonders anfällig für Karies

Die grösste Gefahr für die ersten Zähne ist Karies. Karies entsteht dadurch, dass Bakterien im Mund aus Zucker eine Säure bilden, die den Zahn angreift und ihn porös macht. Lecken Eltern den Nuggi oder Löffel des Kindes ab, können Kariesbakterien (diese hat jeder, auch wenn man keine Karies hat) auf das Kindergebiss übertragen werden.

Hinzu kommt, dass Milchzähne besonders anfällig für Karies sind: Wie die bleibenden Zähne bestehen Milchzähne aus einer Zahnkrone und Zahnwurzeln mit einem Zahnnerv. Die äussere Zahnschicht, der Schmelz, ist bei Milchzähnen aber viel dünner. Zudem stehen die Milch-Backenzähne dichter zueinander. Beides macht Karies wahrscheinlicher.

Liegt die Karies nahe am Nerv, können ausserdem Zahnschmerzen und Entzündungen folgen. Im schlimmsten Fall löst ein erkrankter Milchzahn einen Abszess (Eiteransammlung) aus und somit eine «dicke Backe».

3. Belastung für das ganze Immunsystem

Im Unterschied zu den bleibenden Zähnen von Erwachsenen, können kariöse und entzündete Milchzähne die gesamte Immunabwehr des Kindes negativ beeinflussen. So kann es zu wiederholten Infektionen der Atemwege kommen – von der Erkältung über die Bronchitis bis zur Mittelohrenentzündung. Kariöse Zähne stellen also ganz allgemein ein Risiko für die Gesundheit des Kindes dar.

4. Ansteckungsgefahr

Die kariösen Milchzähne können Nachbarzähne anstecken und auch die ersten bleibenden Backenzähne, die ab einem Alter von sechs Jahren zum Vorschein kommen. Direkt nach dem Zahndurchbruch sind diese sehr empfindlich für Karies.

Eine lange bestehende Infektion der Milchzähne kann sogar den Zahnkeim des Nachfolgerzahnes schädigen. Dieser entwickelt sich nämlich zwischen den Wurzeln der Milchzähne.

5. Milchzahn weg, Zahnspange rein

Nicht vergessen sollte man auch, dass ein Milchzahn den Platz für den bleibenden Zahn freihält. Die letzten Milch-Backenzähne gehen erst in einem Alter von elf bis 12 Jahren verloren. Verliert man einen Milchzahn wegen Karies zu früh, kann es zu Verschiebungen und Fehlstellungen der Nachbarzähne kommen. Das wiederum müsste mit einer Zahnspange korrigiert werden.

Fazit

Milchzähne sind besonders empfindlich und Erkrankungen haben langfristige Konsequenzen – auch wenn diese Zähne früher oder später ausfallen. Deshalb muss der Mundhygiene von Kindern besonders viel Beachtung geschenkt werden. Die richtige Reinigung und ein richtiges Ernährungsverhalten sind also unabdinglich. Damit Karies gar nicht erst entsteht, sollten Kinderzähne ausserdem regelmässig durch den Zahnarzt kontrolliert werden.

Erkranken die Milchzähne doch, müssen sie in der Regel behandelt werden. Je nach Alter, Defektgrösse oder Karies-Aktivität gibt es aber auch Ausnahmen. Beispielsweise können kleinere Defekte mit Fluoridlacken am Ausbreiten gehindert werden. Oder wackelt ein erkrankter Milchzahn bereits stark, kann er in einigen Fällen so gelassen werden wie er ist. Ob und wie behandelt werden muss, entscheidet der Zahnarzt immer individuell nach gründlicher Untersuchung und Krankengeschichte des Kindes.

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